(1): Texas, das Königreich des Barbecues Cowboys, Ranches und Rinderherden – nirgendwo in den USA ist der Wilde Westen heute noch so präsent wie in Texas. Eng mit diesem Image verbunden ist das kulinarische Markenzeichen des Bundesstaats: das Barbecue. Die Journalistin Nawelle Senad wird vor Ort von Nina Schmidt und ihrem 'Grillmeister' Jerry Mendoza in die Geheimnisse dieser Tradition eingeweiht. Pierre Raffard, Geograf und Ernährungswissenschaftler, spricht über die Liebe der Texaner zu Rindfleisch, den Einfluss deutscher Einwanderer auf die texanische Gastronomie und die Herkunft der traditionell zum Barbecue gereichten Saucen. (2): Kulinarische Mitbringsel Auf den Spuren der texanischen Esskultur streift Nawelle Senad durch einen Supermarkt, der so riesig ist wie alles in den USA. In den Regalen findet sie Soft Drinks, bunten Cheddar, Pekannuss-Törtchen und mit Pancakes umhüllte Würstchen. (3): Ran an die Töpfe! Appetit bekommen? Hier gibt es ein Rezept für ein texanischen Barbecue, das sich leicht nachkochen lässt – vorausgesetzt, man besitzt eine Wurstmaschine! Also: Ran an die Töpfe! ------------------------------- Rezept für texanisches Barbecue Zutaten für 6 Personen: 1 Brisket (Rinderbrust) 350 g Schweinebrät 350 g gehacktes Rindfleisch 4 TL Pfeffer 3 TL Paprikapulver Schweinedarm 20 g Mehl Zubereitung: Würstchen: – Das Hackfleisch und das Schweinebrät mit drei Teelöffeln Salz sowie jeweils einem Teelöffel Pfeffer und Paprikapulver würzen. – Mit dem Mehl und 100 ml Wasser zu einer homogenen Masse vermengen. – Die Masse mit einer Wurstmaschine in den Schweinedarm füllen. – Die Würstchen bei 150 bis 170 Grad Celsius (um ein Aufplatzen zu vermeiden) acht bis zehn Minuten grillen. Brisket: Die Rinderbrust mit vier Teelöffeln Salz sowie jeweils zwei Teelöffeln Pfeffer und Paprikapulver würzen. – Bei schwacher Hitze sieben bis zehn Stunden grillen.
(1): Franche-Comté: Schauplatz von Stendhals 'Rot und Schwarz' Julien Sorel, der Held aus Stendhals Klassiker 'Rot und Schwarz', ist für den gesellschaftlichen Aufstieg zu allem bereit. In seinem zweiten Roman erzählt der Autor fünf Jahre aus dem Leben des ebenso ehrgeizigen wie romantischen jungen Napoleon-Bewunderers und bildet dabei eine Gesellschaft im Wandel ab. Die napoleonische Ära geht mit der Restauration zu Ende. Klerus, Adel und konservatives Bürgertum erobern die Macht zurück. Ausgangspunkt der Handlung ist die Franche-Comté, das Land der Uhrmacher, in dem viel mehr passiert, als man vermuten könnte. (2): Die Vjosa: Der ungezähmte Fluss der Albaner Die Vjosa fliesst im Süden Albaniens und gilt als der einzige noch naturbelassene Fluss in Europa. Sie entspringt im griechischen Epirus-Gebirge und mündet in Albanien in die Adria. Im Lauf der Geschichte trachteten viele Mächtige nach der Kontrolle über den Fluss, von den Römern bis hin zu den Osmanen. Die Bewohner der Region Labëria kämpften einst für die Unabhängigkeit Albaniens, heute setzen sie sich für den Umweltschutz ein. (3): Ruanda: Michels Kartoffeleintopf In Kigali kocht Michel Imwanje, einen einfachen, aber leckeren Kartoffeleintopf. Er schneidet zuerst die Kartoffeln klein und gibt sie dann für 45 Minuten mit Karotten, Tomaten und Paprika in den Kochtopf. Tomatenkonzentrat und zwei Brühwürfel verleihen dem Ganzen noch etwas mehr Aroma. (4): Mexiko: Eine blutige Weltmeisterschaft In Mexiko-Stadt steht ein Monument der Fussballgeschichte: das Aztekenstadion. 1970 gewann der brasilianische Spieler Pelé hier die Weltmeisterschaft, 1986 der Argentinier Maradona. Doch 1969 ging ein Spiel in der 85.000 Zuschauerplätze zählenden Arena dramatisch aus .
(1): Grossbritannien: Die Eisenbahnkinder In Kent beobachtet eine junge Engländerin den Bau eines Bahnhofs inmitten einer noch ländlichen, friedvollen, unveränderlich wirkenden Landschaft. Die damals 17-jährige Edith Nesbit ahnt nicht, dass ihr späterer Erfolg als eine der grossen Pionierinnen der Kinder- und Jugendliteratur in diesem Moment ihren Anfang nimmt. Die Veröffentlichung von 'The Railway Children' im Jahr 1906 wurde zum Wendepunkt in ihrer Laufbahn. Anstatt ihre junge Leserschaft zu belehren, nimmt Edith Nesbit in ihrem Buch deren Perspektive ein. Eine revolutionäre Art, über die Lebensrealität von Kindern zu schreiben. (2): Die Herrscher der Karpaten Rumänien beherbergt mit mehr als 10.000 Tieren die grösste Braunbärenpopulation Europas. Ebenso zahlreich sind die Geschichten rund um die pelzigen Vierbeiner. In den Karpaten findet sich der Braunbär nicht nur in den Tiefen der Wälder, sondern auch in so mancher Erzählung. Die Menschen sehen ihn als Feind und als Freund und versuchen seit jeher, sich seine Stärke zunutze zu machen. Doch seit einiger Zeit scheint der jahrhundertealte Pakt zwischen Mensch und Bär zu bröckeln. (3): Griechenland: Aris Kabeljau mit Zitrone Auf einem Markt in der Altstadt von Korfu besorgt Ari frischen Kabeljau als Hauptzutat des Bianco. Für die Zubereitung des traditionellen korfiotischen Fischgerichts dünstet sie zuerst Knoblauch an, die Zauberzutat der griechischen Küche, und gibt anschliessend Karotten und Kartoffeln hinzu. Sobald das Gemüse gar ist, legt Ari Kabeljau und Zitrone in den Topf. Mit etwas Petersilie und Zitronensaft abschmecken – fertig ist der Bianco! (4): Dänemark: Aufständische Jugend In Dänemark zeigten einige Kinder aus Aalborg dem ganzen Land, dass Regelverstösse manchmal den Weg in die Freiheit ebnen können. Als Dänemark im Zweiten Weltkrieg unter deutscher Besatzung stand, gründeten 1941 etwa ein Dutzend Jugendliche den 'Churchill Club'.
Mitten im Pazifik liegt Hawaii – eine der isoliertesten Inselketten der Erde: mehr als 130 Inseln, geformt von Vulkanen, 3.000 Kilometer vom nächsten Kontinent entfernt. Hier entstand ein Labor der Evolution mit einzigartiger Flora und Fauna. In der aufwendig produzierten Naturdokumentation zeigen Lars Pfeiffer und Florian Graner in spektakulären Bildern die Naturparadiese des Archipels über und unter Wasser. Singende Buckelwale ziehen vor Maui ihre Kälber auf, Spinnerdelfine, Mönchsrobben und Mantarochen bevölkern die Küsten, bunte Vögel und leuchtende Blüten prägen die Regenwälder. Doch die empfindlichen Ökosysteme sind bedroht: Eingeschleppte Axishirsche und Chamäleons setzen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zu. An Land kämpft Biologe Rick Barboza für die Rückkehr endemischer Pflanzen, im Meer befreit Aktivistin Ocean Ramsey Tigerhaie von Leinen und Haken. Auf entlegenen Atollen tanzen Laysan-Albatrosse ihren Balzritualen entgegen – bedroht durch Plastikmüll, den Projekte wie das Papahanaumokuakea Marine Debris Project mühsam aus dem Ozean bergen. Exklusive Aufnahmen dokumentieren den Ausbruch des Mauna Loa – ein Schauspiel aus Feuer und Erneuerung. Tief verwurzelt in dieser Landschaft ist die Kultur Hawaiis, getragen vom Prinzip malama ?aina – 'sich um das Land kümmern'. Aktivistin Hawane Rios kämpft für heilige Orte wie den Mauna Kea, Symbol der Verbindung zwischen Himmel und Erde. Eine bildgewaltige Reise zu einem Ort, an dem Natur und Kultur untrennbar verbunden sind.
Von der Pazifikküste bis zu den Anden – Chiles Landschaften sind so vielfältig wie artenreich. In diesen faszinierenden Lebensräumen sind der französische Ornithologe Fabrice Schmitt und sein chilenischer Kollege Rodrigo Barros unterwegs. Gemeinsam mit einem lokalen Vogelschutznetzwerk folgen sie den Spuren eines geheimnisvollen Vogels: der Sturmschwalbe. Sie zählt zu den kleinsten aller Seevögel. Ihre Reise führt die Forschenden durch spektakuläre Regionen – von der extrem trockenen, aber keineswegs leblosen Atacama-Wüste über die fischreichen Küsten des Humboldtstroms bis hinauf ins Hochland der Anden, wo der Klimawandel an den schmelzenden Gletschern sichtbar wird. Die Beharrlichkeit der Forschenden wird durch eine bahnbrechende Entdeckung belohnt: In der Atacama stossen sie auf die ersten bekannten Nester der Sturmschwalbe – ein Fund, der das bisherige Wissen über die Art infrage stellt. Die Expedition ist nicht nur eine Entdeckungsreise durch atemberaubende Natur, sondern auch ein eindringlicher Appell für den Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume.
Nah dran, authentisch, echt – der Mensch im Mittelpunkt. In 30 Minuten taucht Re: in Lebenswelten ein und macht Europas Vielfalt erlebbar. Von montags bis freitags um 19.40 Uhr und jederzeit im Netz.
(1): Reispfanne aus dem Alentejo: Arroz de peixe e marisco In der südportugiesischen Region Alentejo mündet der Río Sado in den Atlantik. Chefkoch António Leitão dos Santos stellt der Journalistin Tiphaine Honoré ein typisches Gericht dieser Küstenregion vor: Reis mit Fisch und Meeresfrüchten, auf Portugiesisch Arros de peixe et marisco. Der Geograf und Ernährungswissenschaftler Pierre Raffard gibt Einblicke in die Geschichte der Region Alentejo und des Sado-Deltas. Ausserdem erläutert er, welche Rolle Reis in der portugiesischen Küche spielt und wie Spezialitäten aus Portugal im Ausland bekannt geworden sind. (2): Ein Biss'chen Heimat: Eduardo, ein Portugiese in Paris Eduardo wurde in der Region Alentejo geboren, lebt jedoch seit 2013 in Paris. Er bereitet eine für seine Heimat typische Suppe zu und erzählt von der Stimmung beim sonntäglichen Marktbesuch, von der französischen Austernkultur und den einfachen Zutaten für die schmackhaften Gerichte aus dem Alentejo. (3): Ran an die Töpfe! Appetit bekommen? Hier gibt es ein Rezept für Arroz de peixe et marisco, das sich leicht nachkochen lässt. Also: Ran an die Töpfe! ----------------------------------- Rezept für Arroz de Peixe e Marisco Zutaten für 6 Personen: 600 g Seeteufelfilet und Kopf des Seeteufels 1 Taschenkrebs 300 g Reis 200 g Venusmuscheln 100 g Frühlingszwiebeln 1 Bund Koriander 1 Bund Thymian 2 Knoblauchzehen 3 Tomaten 150 g passierte Tomaten (Dose) 50 ml trockener Weisswein ½ rote Paprika 250 g Garnelen Zubereitung: – Die Seeteufelfilets in mittelgrosse Stücke schneiden – Den Taschenkrebs mit den geviertelten Tomaten, Thymian, der Hälfte der Frühlingswiebeln und dem Knoblauch in einen Topf mit kochendem Wasser geben. Bei geringer Hitze 15 Minuten köcheln lassen. – Währenddessen die restlichen Frühlingswiebeln klein schneiden und mit den passierten Tomaten und dem trockenen Weisswein in einem Topf bei mittlerer Hitze zehn Minuten in Olivenöl schmoren. – Den Krebs aus der Brühe nehmen und den Seeteufelkopf hineingeben. Aufkochen lassen. – Die Scheren vom Krebs abtrennen und beiseitelegen. Das Krebsfleisch auslösen. – Die kleingeschnittene Paprikaschote in den Schmortopf geben und zehn Min. köcheln lassen. – Den Reis und die Seeteufelfilets dazugeben. – Die Krebsbrühe filtern und in den Schmortopf geben. – Die Venusmuscheln, die Krebsscheren und das Krebsfleisch, den Koriander und die Garnelen hinzufügen. – Heiss servieren.
Themen: Frankreich: Michel Serres Naturvertrag von Agen / Schweden: Zwischen Fabelwesen und Pragmatismus / Mongolei: Doljinsurens Teigtaschen mit Hackfleischfüllung / Äthiopien, eine der ersten Fälschungen der Menschheitsgeschichte
(1): Frankreich: Michel Serres Naturvertrag von Agen Der französische Philosoph Michel Serres prägte in seiner über 60 Jahre währenden Schaffenszeit das 20. Jahrhundert. In seiner Heimatstadt Agen arbeitete er inmitten der Natur und untersuchte die Zusammenhänge zwischen wissenschaftlichem Fortschritt, Ökologie und Moral. Sein 1990 erschienenes Werk 'Der Naturvertrag' wurde weltweit zum Bestseller. Er verhandelt darin eine zentrale Frage unserer Zeit: die Beziehung des Menschen zur Welt und zur Natur. (2): Schweden: Zwischen Fabelwesen und Pragmatismus Tiefe Wälder, riesige Seen und lange Winter inspirierten die Schweden im Laufe der Jahrhunderte zu vielen Legenden, die diesem mehrheitlich evangelischen, liberal und pragmatisch wirkenden Land noch heute etwas unvermutet Geheimnisvolles verleihen. Schon in vorchristlichen Zeiten gab es solche Mythen, und noch heute glaubt man in Schweden gern, dass Geister und Fabelwesen Wälder, Seen und Felslandschaften bevölkern. (3): Mongolei: Doljinsurens Teigtaschen mit Hackfleischfüllung In der Nähe des Dorfes Khujirt bereitet Doljinsuren ihre Lieblingsspeise zu: Khuushuur, gefüllte Teigtaschen. Für die Füllung hackt sie Hammelfleisch und gibt dann wilden Lauch, Öl und Salz hinzu. Anschliessend füllt sie die Teigtaschen damit und brät sie in geschmolzener Butter an. (4): Äthiopien, eine der ersten Fälschungen der Menschheitsgeschichte Im Jahr 1165 taucht im Abendland ein rätselhafter Brief auf. Das Dokument ist von einem unbekannten Priester namens Johannes unterzeichnet und spricht von einem 'Paradies auf Erden', irgendwo im Osten. Jahrhundertelang nährt der Brief bei Christen auf der ganzen Welt die kühnsten Hoffnungen und Vermutungen.
Bilbao / Algier / USA | Themen: Bilbao: Roman über eine gestohlene Kindheit / Die Rückeroberung der Bucht von Algier / Albanien: Nexhmijes gefüllte Paprika / USA: Der Polka-König
(1): Bilbao: Roman über eine gestohlene Kindheit Immer wieder kehrt die in Paris aufgewachsene Autorin Maria Larrea nach Spanien zurück. Genauer gesagt in jene Stadt, in der sie 1979 geboren wurde und die auch Schauplatz ihres Debütromans ist. 'Les Gens de Bilbao naissent où ils veulent' erschien 2022 in Frankreich ('Die Kinder von Bilbao', 2025) und begeisterte Publikum und Kritik auf Anhieb. Der autobiografische Roman thematisiert tragische Kinderschicksale in der Zeit der Franco-Diktatur sowie unaussprechliche Familiengeheimnisse. Für Larrea ist das Buch eine doppelte Liebeserklärung – zum einen an ihre Eltern, die ihrer Tochter trotz schwieriger Lebensumstände viel Liebe entgegenbrachten, und zum anderen an das Bilbao der Nachkriegszeit, das sich damals, genau wie sie selbst später, eine neue Zukunft erfinden musste. (2): Die Rückeroberung der Bucht von Algier In einem nahezu perfekten Halbkreis bildet die Bucht von Algier ein Amphitheater mit Blick auf das Mittelmeer. Die antike Medina, der Kolonialstil der Strandpromenade und die modernen Stadtviertel fügen sich zu einem architektonischen Mosaik, das die Geschichte des Landes widerspiegelt. Die Bevölkerung der algerischen Metropole hatten lange keinen Zugang zum Meer, obwohl es direkt vor der Haustür lag. Nun will sich Algier bis 2030 als bedeutende Hauptstadt im Mittelmeerraum etablieren. Die Rückeroberung der Bucht steht im Mittelpunkt dieses Modernisierungsprojekts. (3): Albanien: Nexhmijes gefüllte Paprika In Pogradec kocht Nexhmije gefüllte Paprika auf traditionelle albanische Art. Sie füllt vorzugsweise grüne Paprika mit Reis und einer Mischung aus roten Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Petersilie. Die gefüllten Schoten schiebt Nexhmije zum Garen in den Herd und serviert sie schliesslich mit einem passenden Glas Wein als Liebeserklärung an ihren Mann. (4): USA: Der Polka-König Die USA haben so einige Queens and Kings unterschiedlicher Musikgenres hervorgebracht – zum Beispiel Jimmy Hendrix für die Rockmusik, Nina Simone für den Jazz und Jan Lewan für die Polka. Letzterem war ein aussergewöhnliches Schicksal beschieden. Mit dem Akkordeon bewies Lewan, dass ein wahrer König auch im Gefängnis nicht vom Thron stürzt.
USA, 1881: Der afroamerikanische Sergeant Braxton Rutledge, direkter Nachkomme von Sklaven, dient in der 9. Kavallerie der US-Armee. Eines Tages wird er bei den Leichen seines Vorgesetzten, Major Dabney, und dessen vergewaltigter Tochter Lucy angetroffen. Vor dem Militärgericht beteuert er seine Unschuld, was die Vergewaltigung angeht, und plädiert anderweitig auf Notwehr. Sein Anwalt Tom Cantrell setzt sich für Rutledge ein, trotz eines Anfangsverdachts: Als er ihn bei den Leichen auffand, versuchte der Angeklagte zu fliehen. Die Zeugin Mary Beecher, die Rutledge auf seiner Flucht vor einem Angriff von Apachen gerettet hat, beharrt als Einzige auf seiner Unschuld. Im Laufe der Zeugenbefragungen zeichnet sich eine andere Erklärung für die Morde ab. John Fords selten gezeigter Western ist ein Gerichtsdrama, das in Flashbacks multiperspektivisch das Geschehen rekonstruiert. Thematisch greift er das Thema des Rassismus in der US-Kavallerie auf und stellt das Schicksal der schwarzen Soldaten in den Mittelpunkt. Sergeant Rutledge wird von dem Zehnkämpfer, Footballer und Schauspieler Woody Strode mit magnetischer Präsenz verkörpert.
John Ford handelt diesen Beitrag zur Rassenfrage im Rahmen eines gescheit angelegten, visuell perfekt inszenierten Western ab, wobei die optische Brillanz nie zum Selbstzweck, sondern immer der Geschichte förderlich eingesetzt wird (Lex. des Internat. Films).
Als König Charles III. die Krone übernahm, erneuerte er in seiner ersten Ansprache das Versprechen seiner Mutter Queen Elizabeth II., das eigene Leben in den Dienst des britischen Volkes zu stellen. Die bedingungslose Hingabe an ihr Amt war das Markenzeichen seiner Mutter – auch bei Charles hat das zweifellos Spuren hinterlassen. Doch während die verstorbene Königin es meisterhaft verstand, sich aus allem herauszuhalten, erleben die Menschen Charles als volksnäher und menschlicher. Mit seiner Meinung hat Charles nie hinter dem Berg gehalten. Die andere Konstante im Leben des neuen Königs ist Camilla – seine Lebensliebe und Königsgemahlin. Wie haben diese beiden Frauen sein Leben und Denken geprägt? Und was hat das Drama um seine verstorbene Ex-Frau Diana mit ihm gemacht? Lange Zeit galt Charles als tragische Figur im Windsor-Spektakel, über das die Medien weltweit seit Jahrzehnten genüsslich berichten. Abgetan als Sonderling, Ökospinner, Ehebrecher – die ewige Nummer zwei. Kann so einer den Thron besteigen? Selbst Monarchie-treue Briten hielten Charles anfangs für eine Fehlbesetzung. Aber die Welt hat sich verändert. Charles hingegen ist sich treu geblieben. Es sind die vermeintlich tragischen Eigenschaften, die ihm in den vergangenen Jahren Sympathien eingebracht haben: Beständigkeit in seiner Liebe zu Camilla, Leidenschaft im Kampf für eine bessere Welt und Langmut im Warten auf den Thron. Und das in einer Zeit, in der viele die Monarchie für ein Auslaufmodell halten. Jetzt ist es an Charles, ihren Bestand zu sichern, sie fit zu machen für die Zukunft.
Die strahlende Königin von Grossbritannien. Die Lebensfreude steht Camilla ins Gesicht geschrieben. Selbstbewusst trägt sie ihre Falten, die von einem bewegten Leben erzählen. Scheinbar mühelos ist Camilla mit 75 Jahren in einem Top-Job angekommen. Dass sie einmal zur Königin gekrönt werden würde, hätte bei ihrer Hochzeit mit dem damaligen Prinzen von Wales im Jahr 2005 niemand für möglich gehalten. Ihre neue Rolle wird von der grossen Mehrheit der Briten nicht nur akzeptiert, sondern auch unterstützt. Dabei war sie jahrelang wegen ihrer Liebe zum Thronfolger öffentlich angefeindet worden. Doch nie hörte man von ihr ein Wort der Klage. Die Briten erleben eine fast rastlose Königin. Bei rund 200 Terminen im Jahr wird sie von Kameras begleitet, Hunderte weitere finden hinter verschlossenen Türen statt. Sie ist Vorsitzende zahlreicher Organisationen, des Tierrettungsprogramms, der Osteoporose-Gesellschaft, einer Literaturinitiative, und sie setzt sich gegen häusliche Gewalt ein. Zu allen Initiativen, die Camilla unterstützt, hat sie eine persönliche Beziehung. Sie trägt nicht nur den Titel, sondern erfüllt auch die Tugenden, die eine wahre Königin ausmachen. Es war ein langer Weg von der 'dritten Person' zur Königin, auf dem Camilla zu einer unersetzlichen Stütze des britischen Königshauses geworden ist – weshalb ihr auch Monarchie-kritische Briten Respekt zollen. Ausgehend von der Gegenwart, in der die Königin in ihrem Alltag porträtiert wird, blickt der Dokumentarfilm zurück in Camillas Biografie und beleuchtet die Einflüsse, die sie zu einer starken Frau gemacht haben.
'Wildes Griechenland' spannt einen grossen visuellen Bogen: von Schneestürmen in den Hochgebirgen des Nordens bis zu den einsamen Inseln im Mittelmeer – Kontraste eines rauen, ungezähmten Naturraums, den es in Europa sonst nirgendwo gibt. Griechenland ist einzigartig. Nirgendwo sonst liegen unterschiedliche Temperaturzonen, eiszeitliche Seen, dicht bewaldete Urwälder und trocken kahle, fast wüstenähnliche Regionen so nahe beisammen wie hier. Nirgendwo existiert eine vielfältigere und kontrastreichere Natur – und Tiere, die in Europa sonst kaum noch in freier Wildbahn vorkommen und die besondere Strategien und Verhaltensmuster für ihr Überleben entwickelt haben. Es ist kein Zufall, dass sich hier, zwischen den schneebedeckten Gipfeln des Olymps und den blauen Buchten der Ägäis, die erste Hochkultur Europas entwickelt hat. Die zweiteilige Dokumentation zeigt die meist noch unerforschte Tier- und Pflanzenwelt der Gebirgsmassive des Festlandes und der vielfältigen griechischen Inseln. Der aktuelle Teil widmet sich dem Norden, den einsamen und unwegsamen Bergregionen eines nahezu unbekannten Griechenlands, zu dessen Hotspots kein Reisekatalog führt. Weite Teile des Festlandes sind von hohen Gebirgen und tiefen Schluchten durchzogen. Diese Regionen sind extrem dünn besiedelt. Es ist ein rauer, ungezähmter Naturraum: Eiszeitliche Seen, schneebedeckte Gipfel, dicht bewaldete Urwälder und unberührte Flussdeltas sind hier zu finden.
Die zweiteilige Dokumentation 'Wildes Griechenland' spannt einen grossen visuellen Bogen: von Schneestürmen in den Hochgebirgen des Nordens bis zu den einsamen Inseln im Mittelmeer – Kontraste eines rauen, ungezähmten Naturraums, den es in Europa sonst nirgendwo gibt. Griechenland ist einzigartig. Nirgendwo sonst liegen unterschiedliche Temperaturzonen, eiszeitliche Seen, dicht bewaldete Urwälder und trocken kahle, fast wüstenähnliche Regionen so nahe beisammen wie hier. Nirgendwo existiert eine vielfältigere und kontrastreichere Natur – und Tiere, die in Europa sonst kaum noch in freier Wildbahn vorkommen und die besondere Strategien und Verhaltensmuster für ihr Überleben entwickelt haben. Es ist kein Zufall, dass sich hier, zwischen den schneebedeckten Gipfeln des Olymps und den blauen Buchten der Ägäis, die erste Hochkultur Europas entwickelt hat. Die zweiteilige Dokumentation zeigt die meist noch unerforschte Tier- und Pflanzenwelt der Gebirgsmassive des Festlandes und der vielfältigen griechischen Inseln. In diesem Teil wird die maritime Seite Griechenlands thematisiert. Diese Region meint man zu kennen. Aber der Eindruck täuscht: Weite Abschnitte der insgesamt rund 15.000 Kilometer langen griechischen Küste sind völlig unberührt. Von den mehr als 3.000 Inseln sind kaum vier Prozent ganzjährig bewohnt. Da bleibt viel Platz für unberührte Natur. Diese einsamen Orte am und unter dem Meeresspiegel sind Rückzugsgebiete für eine faszinierende Flora und Fauna, die kein Urlauber je zu sehen bekommt. Doch auch nur wenig entfernt von belebten Badestränden tut sich oft ein fremder Kosmos auf: seltsame Symbiosen, überraschendes Verhalten und seltene Tiere. Das Unbekannte entdecken und das Geheimnisvolle aufspüren – mit diesem Anspruch sind die beiden Filmemacher Johannes Berger und Stephan Krasser mehrere Jahre lang mit ihrer Kamera kreuz und quer durch das Land gereist, auf unbewohnten Inseln gestrandet und unter Wasser seltsamen Lebewesen begegnet.
Der Grossvater von Wilhelm Drewes war Ortsvorsteher in Frankenfelde, als 1942 ein 21-jähriger polnischer Zwangsarbeiter gehängt wurde, weil er eine Beziehung mit einem deutschen Mädchen aus dem Dorf hatte. Drewes hat davon erst nach dem Tod des Opas erfahren. Er fühlt sich verpflichtet, dem hingerichteten Polen eine Gedenktafel im Dorf aufzustellen. Bei einer Versammlung möchte er die anderen Frankenfelder für sein Vorhaben gewinnen. Die Tafel soll durch möglichst viele kleine Spenden finanziert werden – als Ausdruck ihrer hohen Akzeptanz im Dorf. Um sein Vorhaben zu verwirklichen, muss Drewes die politischen Gräben in seinem Dorf überwinden. Die vom Brandenburger Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte 'Alternative für Deutschland' ist stärkste Partei im Dorf und dürfte laut Prognosen bei den anstehenden Landtagswahlen nochmals zulegen. Die Politik spalte das Dorf, erzählen Alteingesessene. Zu der Versammlung hat Wilhelm Drewes einen besonderen Gast eingeladen. Nach langer Suche ist es ihm gelungen, die Grossnichte des Polen ausfindig zu machen. Die Familie hat seit mehreren Generationen nach Wladyslaw Stuczynski gesucht, erst durch Wilhelm Drewes hat Katarzyna Swiatkiewicz erfahren, was mit ihrem Grossonkel geschehen ist. Die Reportage begleitet Wilhelm Drewes fünf Monate lang – bis zum Geburtstag des hingerichteten Polen – bei seinem Vorhaben. Wilhelm Drewes hofft, an diesem Tag die Gedenktafel in Frankenfelde einweihen zu können.
Als alliierte Truppen 1945 die Konzentrationslager erreichten, begann für die befreiten Häftlinge eine Phase tiefgreifender Verunsicherung. Während die Welt die Bilder der Befreiung als Symbol des Triumphs über den Nationalsozialismus feierte, standen viele Überlebende, insbesondere jüdische, vor einer zermürbenden Realität: Ihre Gemeinden in Mittel- und Osteuropa waren ausgelöscht, Familien ermordet, Häuser zerstört. Eine Rückkehr war unmöglich. Gleichzeitig verweigerten zahlreiche Staaten ihre Aufnahme – selbst dann, wenn bereits Verwandte im Ausland lebten. Die Folge war eine beispiellose Migrationsbewegung: Millionen befreite Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Holocaust-Überlebende durchquerten Europa auf der Suche nach Sicherheit. Die Alliierten reagierten mit der Einrichtung von Lagern für 'Displaced Persons' (DP-Camps), häufig in unmittelbarer Nähe zu ehemaligen NS-Lagern. Unter prekären Bedingungen, bei Mangel an Nahrung, Kleidung und medizinischer Versorgung, begannen die Menschen hier, ihr Überleben zu organisieren. Für rund 60.000 jüdische Überlebende wurde der Aufenthalt in diesen Lagern jedoch zur erzwungenen Wartezeit: ohne Papiere, ohne Staatsbürgerschaft und häufig ohne Aussicht auf Ausreise verstrichen oft Jahre. Doch im Provisorium wuchs auch Widerstandskraft. Die Lagerbewohner gründeten Selbstverwaltungen, gaben Zeitungen heraus und riefen soziale oder religiöse Institutionen ins Leben.
Mit der Zeit normalisierte sich für die jüdischen Holocaust-Überlebenden das Leben in den sogenannten Displaced Persons-Lagern. Es herrschte ein reges kulturelles Treiben – man feierte Hochzeiten und Geburten. Doch das Schicksal der Bewohnerinnen und Bewohner hing weiterhin von internationalen Entscheidungen ab, die auf sich warten liessen. Die Ergebnisse der anglo-amerikanischen Kommission und die britischen Einwanderungsbeschränkungen nährten die Frustration. Hinzu kamen Spannungen mit der lokalen Bevölkerung. Die Lagerbewohner wollten nur noch eines: das Land ihrer Peiniger endlich verlassen. Die Blicke richteten sich nach Palästina, das als einziger Ausweg erschien. Zionistische Organisationen gewannen an Einfluss – ihre Vertreter organisierten ideologische Schulungen, Hebräischkurse und Trainings zur Vorbereitung auf die Ausreise. Die ersten Menschen verliessen die Lager heimlich. Tausende Männer und Frauen durchquerten Europa auf den Routen der Bricha, um in Italien ein Schiff Richtung Palästina zu besteigen. Die vereitelte Überfahrt der 'Exodus 1947' wurde zum weltweiten Symbol enttäuschter Hoffnung. Die Vereinten Nationen kritisierten den Umgang mit den Überlebenden. Die Abstimmung über den UN-Teilungsplan und schliesslich die Gründung des Staates Israel im Mai 1948 sorgten für Aufbruchsstimmung in den DP-Lagern. In der Dokumentation schildern Zeitzeugen ihre Abreise nach Israel oder Nordamerika und den entscheidenden Moment, in dem die lange entbehrte Freiheit endlich in greifbare Nähe rückte.
'Der Plünderer' deckt auf, wie der Kunstraub durch die Nationalsozialisten auch nach 1945 weiterging: Der ehemalige Göring-Vertraute Bruno Lohse baute ein lukratives Netzwerk auf und handelte jahrzehntelang mit geraubten Kunstschätzen – während die rechtmässigen Besitzer vergeblich um Restitution kämpften. Die Dokumentation verfolgt die undurchsichtigen Wege der Beutekunst vom Paris der Besatzungszeit über die Nachkriegsjahre zum Beispiel in München bis in die USA, dem heutigen Zentrum des globalen Kunsthandels. Der Film stellt die Arbeitsweise ehemaliger Nazi-Kunsthändler wie Lohse, die ihr eigenes Nachkriegs-Netzwerk betrieben, detailliert dar und wirft ein Licht auf den Kunstmarkt, der neben dem für Drogen oder Waffen einer der letzten unregulierten Milliardenmärkte der Welt ist. Dabei stellen sich deutliche Fragen über das Versagen der Nachkriegsjustiz und die anhaltende Komplizenschaft von Regierungen und Kunsthandel bei ungesühnten Verbrechen.
Im Zweiten Weltkrieg wurden im KZ-Aussenlager Hradischko in Mittelböhmen nahe Prag Hunderte politische Gefangene aus ganz Europa von den Nationalsozialisten ermordet – darunter auch spanische Republikaner, Überlebende des Bürgerkriegs. Ihre Geschichte wäre beinahe in Vergessenheit geraten, hätte nicht der Leiter des Prager Krematoriums Strasnice gemeinsam mit seinem Sohn mutig gehandelt. Die Dokumentation begleitet Unai Eguía Bizkarralegorra, einen baskischen Kunstlehrer und leidenschaftlichen Geschichtskenner, bei seiner privaten Spurensuche. Ausgangspunkt ist ein Brief eines Überlebenden des Konzentrationslagers Hradischko. Vom Forscherdrang gepackt, folgt Eguía den Spuren der Opfer quer durch Europa und rekonstruiert ihr Schicksal. Er spricht mit Nachfahren, sichtet vergessene Dokumente und stösst auf die stille Heldentat von Frantisek Suchý und dessen Sohn. Inmitten der NS-Herrschaft bewahrten sie im Verborgenen die Asche von über 2.200 ermordeten Menschen und machten sie für künftige Generationen identifizierbar. Die Dokumentation verknüpft Zeitzeugenberichte, Archivmaterial und animierte Bildsequenzen zu einem leisen, eindrucksvollen Zeugnis von Mut und Menschlichkeit. Sie zeigt, wie Erinnerungen weiterleben – dank jener, die selbst in finstersten Zeiten unbeugsam bleiben. Ein Plädoyer für Würde, Gerechtigkeit und für eine aktive Erinnerungskultur.
Cast
Antonio Garrido Clemente, Unai Eguia, Antón Gandarias, Ales Kýr, Július Mlcoch, Eva Suchá, Frantisek Suchy
Russlands Krieg gegen die Ukraine wird nicht nur auf dem Schlachtfeld geführt, sondern ist auch ein Kampf um das historische Gedächtnis. Mit erfundenen Erzählungen versucht der Kreml, die Ukraine als künstlichen Staat darzustellen und die eigene koloniale Vergangenheit zu verschleiern. So erschafft sich der Kreml eine Art Fake-Geschichte, die dazu dient, Gewalt gegen Ukrainerinnen und Ukrainer zu legitimieren und die ukrainische Identität auszulöschen. Wie funktionieren diese Mythen? Und wie wird sich gewehrt? Maksym Eristavi, Autor von 'Russian Colonialism 101', führt als Host durch die Sendung und zeigt, wie Russland über Generationen versucht hat, die ukrainische Identität zu bekämpfen. Eine investigative Recherche des Onlineportals 'Kyiv Independent' hat aufgedeckt, wie Jugendliche aus besetzten Gebieten in russischen Lagern militärisch ausgebildet werden – mit dem Ziel, sie später gegen ihr eigenes Land einzusetzen. Die Kunsthistorikerin Oksana Semenik kämpft auf internationaler Bühne gegen die jahrzehntelange Vereinnahmung ukrainischer Kunst und sorgt dafür, dass Museen weltweit ihre Sammlungen neu beschriften. Der Krimtatar Elvis Çolpuh berichtet, wie seine und zehntausende andere Familien 1944 von der Krim deportiert wurden und wie Russland seit 2014 versucht, die Krim zu russifizieren. 'Tracks East' zeigt, wie die Ukraine um Wahrheit, um ihre Erinnerung und ihre Zukunft kämpft.
Zwischen 1939 und 1941 wurden in Polen mehr als 600 Ghettos errichtet, in Grossstädten wie Warschau und Lódz, aber auch auf dem Land. Diese Vorzimmer des Todes wurden in den heruntergekommensten Vierteln angesiedelt, wo es weder Strom noch fliessend Wasser gab. Unzählige Menschen starben an den Folgen von Hunger, Krankheit und Zwangsarbeit. Trotzdem versuchten die Ghettobewohner, ihr Überleben unter diesen extremen Bedingungen so gut wie möglich zu organisieren. Manche Ghettos hatten eine echte Verwaltungsstruktur mit Schulen, Krankenhäusern, Polizei, Feuerwehr und Kultureinrichtungen. Judenräte fungierten als Mittler zwischen Besatzern und Bevölkerung. Die Juden im Ghetto versuchten, ein möglichst normales Leben zu führen und weiter an eine Zukunft zu glauben. 1941 war ein Wendepunkt: Nach dem Angriff der Nazis auf die Sowjetunion entstanden in den Ostgebieten weitere 600 Zwangssiedlungen. Die Ghettos wurden zu Sammellagern, in die auch Juden aus Deutschland und Österreich verbracht wurden. Nachdem auf der Wannseekonferenz im Januar 1942 die 'Endlösung der Judenfrage' beschlossen wurde, deportierten die Nazis die Ghettobewohner systematisch in die Vernichtungslager Chelmno, Treblinka, Sobibor und Auschwitz, wo sie vergast wurden. Die wenigen Juden, die sie am Leben liessen, mussten Zwangsarbeit leisten. Das Leben in den Ghettos wurde von den Juden selbst dokumentiert: in Tagebüchern, Chroniken und Berichten, die teilweise gerettet werden konnten und heute übersetzt und veröffentlicht sind. Diese Aufzeichnungen waren für die Menschen ein Mittel, den schrecklichen Alltag zu ertragen und der Nachwelt ein Zeugnis zu hinterlassen – ein bewegendes Zeugnis, das der Film aufgreift, um die grausame und aufwühlende Geschichte der Ghettobewohner aus ihrem eigenen Blickwinkel zu erzählen.
Cast
Léa Drucker, Patrick Kuban, Nicolas Rey, Benjamin Carlier, Chloé Sitbon, Antoine Vacherie, Fanny Calhau
Solistisch glänzen und gleichzeitig das Mahler Chamber Orchestra leiten – die ultimative Herausforderung für Yuja Wang im ausverkauften Wiener Musikverein. Wangs Mutter war Tänzerin, ihr Vater Perkussionist. Sie ist also mit einem Gefühl für den Körper und für die Bewegung zur Musik aufgewachsen – Erfahrungen, die essenziell sind fürs Dirigieren. Die Herausforderung besteht darin, trotz aller geforderter Virtuosität den Überblick zu behalten, ein klares Tempo vorzugeben und den Orchestermusiker*innen Anstösse zu Phrasierung und dynamischer Gestaltung zu geben. Auch wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes gerade keine Hand frei hat. Bei George Gershwins 'Rhapsody in Blue' glänzt zuerst Jaan Bossier an der Klarinette. Er ist Gründungsmitglied des Mahler Chamber Orchestras und heute Professor in Frankfurt am Main. Bossier beginnt das charakteristische Glissando souverän schon beim Auftritt von Yuja Wang und übergibt dann den solistischen Staffelstab an die furiose Star-Pianistin. 1924 wurde Igor Strawinskys Konzert für Klavier und Blasinstrumente uraufgeführt. Yuja Wang prüft die 100 Jahre alte Komposition auf Herz und Nieren – tänzerisch, jazzig, schwelgerisch und manchmal streng mechanisch scheint dieses Stück in Musik gegossene 'Roaring Twenties' zu sein. Zwischendurch erklingt 'Danzón Nr. 2' von Arturo Márquez. Er verwebt darin Einflüsse mexikanischer Volksmusik mit dem Orchesterklang – und weil dieser 1994 uraufgeführte Tanz eher sinnlich als explizit modern klingt, gehört er zu den am häufigsten gespielten zeitgenössischen Kompositionen Mexikos. Aufzeichnung vom 27. Januar 2024 im Wiener Musikverein.
Die französische Journalistin und Moderatorin Émilie Aubry beschäftigt sich in diesem Kurzformat mit aktuellen geopolitischen Themen oder liefert Hintergrundinformationen zu besonderen Vorkommnissen.
Am 5. November 2025 veröffentlichen 'Mediapart' und 'Libération' bislang unbekannte Videos. Sie stammen von den Körperkameras der Gendarmen, die am 25. März 2023 in Sainte-Soline im Einsatz waren. An diesem Tag kam es zu schweren Zusammenstössen zwischen den Ordnungskräften und Demonstrierenden, die gegen den Bau eines Megastaubeckens protestierten. Laura Wojcik, Journalistin im Videoteam von 'Mediapart', berichtet über die Hintergründe dieser Recherche. Michaël Meyer, Mediensoziologe, analysiert den Kontrast zwischen Frankreich, wo diese Aufnahmen bisher unter Verschluss gehalten werden, und den USA, wo derlei Bilder umfassend verbreitet werden.
(1): Leugnung des Krieges: Ist Europa blind gegenüber der Realität? 'Nach dem Zusammenbruch der UdSSR im Jahr 1991 glaubten wir, für immer von der Möglichkeit einer Kriegskatastrophe in Europa befreit zu sein', schreibt der Historiker Stéphane Audoin-Rouzeau in seinem jüngsten Essay Notre déni de guerre (Unsere Leugnung des Kriegs, Verlag Seuil Libelle). Der russische Angriff auf die Ukraine 2022 habe diese Gewissheit zerstört und den Krieg auf den europäischen Kontinent zurückgebracht. Stéphane Audoin-Rouzeau ist heute Abend unser Gast. (2): Syrien: Muss man sich Sorgen über ein Wiederaufleben des Islamischen Staates machen? Seit mehreren Tagen führen die syrischen Streitkräfte eine Offensive gegen die Syrischen Demokratischen Kräfte, die vorwiegend aus Kurden bestehen, in den von ihnen kontrollierten Gebieten im Nordosten des Landes. Mit der gewaltsamen Rückeroberung bestimmter Zonen übernimmt die Regierung in Damaskus wieder die Verwaltung der Lager für Gefangene des Islamischen Staates und deren Angehörige. Bislang waren die Kurden für diese Lager zuständig, nachdem sie im Kampf gegen den IS eine zentrale Rolle gespielt hatten. Nach Angaben des US-Aussenministeriums werden dort 9.000 mutmassliche IS-Kämpfer festgehalten, darunter etwa ein Drittel Ausländer. Ausserdem: Xavier Mauduit über die Geschichte der ältesten bekannten Höhlenmalerei, einer mit Schablone gemalten Hand, die in Indonesien entdeckt wurde, und Marie Bonnisseau über die Kampagne 'Too much?' der Kunststofflobby, die Kunststoffverpackungen wieder salonfähig machen will.
Die Langschwanzmakaken kommen im Vergleich zu anderen Primatenarten am häufigsten auf der Welt vor. In Thailand bevölkern sie zu Hunderten die Städte, ähnlich wie in Europa die Tauben. Am Morgen verlassen sie die Hügel und ziehen in die Städte, um in Mülltonnen und Häusern nach Nahrung zu suchen. Dennoch ist nicht viel über sie bekannt. Auf der thailändischen Insel Ko Kho Ram ernähren sich die Langschwanzmakaken von Austern, Muscheln und Krabben. Um die Schalentiere zu öffnen, greifen sie auf Werkzeuge wie Hammer und Amboss zurück, von denen man lange annahm, dass nur der Mensch und die Menschenaffen sie beherrschen. Die Langschwanzmakaken sind ausserdem ausgezeichnete Taucher und Schwimmer, denn sie können unter Wasser hervorragend sehen. Fasziniert von diesen Primaten begeben sich die Filmemacher Dominique Hennequin und Cyril Ruoso auf Spurensuche. Die Dokumentation lässt die Zuschauer und Zuschauerinnen zunächst die schönen Facetten des Lebens im Affenrudel entdecken, wie die wilden Spiele im Swimmingpool und im Mangrovenwald sowie das beeindruckende Miteinander bei der gegenseitigen Fellpflege während der langen Siesta. Doch der Film gewährt auch seltene Einblicke in die dunklen Seiten dieses Zusammenlebens: In diesen sehr hierarchisch organisierten Affenstämmen gilt das Gesetz des Stärkeren und 'Lynchjustiz' ist durchaus nicht selten.
La Lutte – der Ringkampf des Senegal: Körperliche Stärke trifft dabei auf spirituelle Magie. Fans feiern ihre Helden und erleben ihre mystische Kraft. Der Sport ist in dem westafrikanischen Land populärer als Fussball. Ganze Stadtviertel begeistern sich für ihre Helden im Ring, die nicht selten aus ihrer Mitte stammen und daher voller Stolz verehrt werden. Immer an der Seite der Kämpfer dabei: Marabouts, spirituelle Heiler, die mittels Magie und Fetischen ihre Schützlinge mit Kraft und Macht ausstatten. Entstanden ist La Lutte im Süden des Senegal, in der Casamance. Dort traten die Bauern seit Jahrhunderten nach einer erfolgreichen Ernte gegeneinander an, Männer ebenso wie Frauen. Von hier stammt auch Gorgui Étudiant. Er gehört zu den aufstrebenden Talenten dieses Sports und will seinen Status demnächst durch einen anstehenden Vorbereitungswettkampf untermauern. Auch sein Freund Sokhor Clé wird demnächst in den Ring steigen. Im Gegensatz zu Gorgui, der einer wohlhabenden Mittelschichtfamilie entstammt, braucht Sokhor den Sieg jedoch dringender denn je. Zum einen ist er als Schneider und Gelegenheitschauffeur auf das hohe Preisgeld angewiesen. Zum anderen hat er bereits seinen letzten Kampf verloren. Da die Kämpfer nur wenige Male im Jahr antreten, zählt jede Niederlage doppelt. Für Sokhor, den nicht mehr unumstrittenen Helden seines Viertels, geht es dieses Mal also um alles: Sieg oder Niederlage, Auf- oder Abstieg, Schmach oder Schande. Um einen drohenden Gesichtsverlust abzuwenden, trainiert er wochenlang und sucht Hilfe bei religiösen Würdenträgern. Wird es am Ende reichen?
(1): Reispfanne aus dem Alentejo: Arroz de peixe e marisco In der südportugiesischen Region Alentejo mündet der Río Sado in den Atlantik. Chefkoch António Leitão dos Santos stellt der Journalistin Tiphaine Honoré ein typisches Gericht dieser Küstenregion vor: Reis mit Fisch und Meeresfrüchten, auf Portugiesisch Arros de peixe et marisco. Der Geograf und Ernährungswissenschaftler Pierre Raffard gibt Einblicke in die Geschichte der Region Alentejo und des Sado-Deltas. Ausserdem erläutert er, welche Rolle Reis in der portugiesischen Küche spielt und wie Spezialitäten aus Portugal im Ausland bekannt geworden sind. (2): Ein Biss'chen Heimat: Eduardo, ein Portugiese in Paris Eduardo wurde in der Region Alentejo geboren, lebt jedoch seit 2013 in Paris. Er bereitet eine für seine Heimat typische Suppe zu und erzählt von der Stimmung beim sonntäglichen Marktbesuch, von der französischen Austernkultur und den einfachen Zutaten für die schmackhaften Gerichte aus dem Alentejo. (3): Ran an die Töpfe! Appetit bekommen? Hier gibt es ein Rezept für Arroz de peixe et marisco, das sich leicht nachkochen lässt. Also: Ran an die Töpfe! ----------------------------------- Rezept für Arroz de Peixe e Marisco Zutaten für 6 Personen: 600 g Seeteufelfilet und Kopf des Seeteufels 1 Taschenkrebs 300 g Reis 200 g Venusmuscheln 100 g Frühlingszwiebeln 1 Bund Koriander 1 Bund Thymian 2 Knoblauchzehen 3 Tomaten 150 g passierte Tomaten (Dose) 50 ml trockener Weisswein ½ rote Paprika 250 g Garnelen Zubereitung: – Die Seeteufelfilets in mittelgrosse Stücke schneiden – Den Taschenkrebs mit den geviertelten Tomaten, Thymian, der Hälfte der Frühlingswiebeln und dem Knoblauch in einen Topf mit kochendem Wasser geben. Bei geringer Hitze 15 Minuten köcheln lassen. – Währenddessen die restlichen Frühlingswiebeln klein schneiden und mit den passierten Tomaten und dem trockenen Weisswein in einem Topf bei mittlerer Hitze zehn Minuten in Olivenöl schmoren. – Den Krebs aus der Brühe nehmen und den Seeteufelkopf hineingeben. Aufkochen lassen. – Die Scheren vom Krebs abtrennen und beiseitelegen. Das Krebsfleisch auslösen. – Die kleingeschnittene Paprikaschote in den Schmortopf geben und zehn Min. köcheln lassen. – Den Reis und die Seeteufelfilets dazugeben. – Die Krebsbrühe filtern und in den Schmortopf geben. – Die Venusmuscheln, die Krebsscheren und das Krebsfleisch, den Koriander und die Garnelen hinzufügen. – Heiss servieren.
Themen: Frankreich: Michel Serres Naturvertrag von Agen / Schweden: Zwischen Fabelwesen und Pragmatismus / Mongolei: Doljinsurens Teigtaschen mit Hackfleischfüllung / Äthiopien, eine der ersten Fälschungen der Menschheitsgeschichte
(1): Frankreich: Michel Serres Naturvertrag von Agen Der französische Philosoph Michel Serres prägte in seiner über 60 Jahre währenden Schaffenszeit das 20. Jahrhundert. In seiner Heimatstadt Agen arbeitete er inmitten der Natur und untersuchte die Zusammenhänge zwischen wissenschaftlichem Fortschritt, Ökologie und Moral. Sein 1990 erschienenes Werk 'Der Naturvertrag' wurde weltweit zum Bestseller. Er verhandelt darin eine zentrale Frage unserer Zeit: die Beziehung des Menschen zur Welt und zur Natur. (2): Schweden: Zwischen Fabelwesen und Pragmatismus Tiefe Wälder, riesige Seen und lange Winter inspirierten die Schweden im Laufe der Jahrhunderte zu vielen Legenden, die diesem mehrheitlich evangelischen, liberal und pragmatisch wirkenden Land noch heute etwas unvermutet Geheimnisvolles verleihen. Schon in vorchristlichen Zeiten gab es solche Mythen, und noch heute glaubt man in Schweden gern, dass Geister und Fabelwesen Wälder, Seen und Felslandschaften bevölkern. (3): Mongolei: Doljinsurens Teigtaschen mit Hackfleischfüllung In der Nähe des Dorfes Khujirt bereitet Doljinsuren ihre Lieblingsspeise zu: Khuushuur, gefüllte Teigtaschen. Für die Füllung hackt sie Hammelfleisch und gibt dann wilden Lauch, Öl und Salz hinzu. Anschliessend füllt sie die Teigtaschen damit und brät sie in geschmolzener Butter an. (4): Äthiopien, eine der ersten Fälschungen der Menschheitsgeschichte Im Jahr 1165 taucht im Abendland ein rätselhafter Brief auf. Das Dokument ist von einem unbekannten Priester namens Johannes unterzeichnet und spricht von einem 'Paradies auf Erden', irgendwo im Osten. Jahrhundertelang nährt der Brief bei Christen auf der ganzen Welt die kühnsten Hoffnungen und Vermutungen.
Bilbao / Algier / USA | Themen: Bilbao: Roman über eine gestohlene Kindheit / Die Rückeroberung der Bucht von Algier / Albanien: Nexhmijes gefüllte Paprika / USA: Der Polka-König
(1): Bilbao: Roman über eine gestohlene Kindheit Immer wieder kehrt die in Paris aufgewachsene Autorin Maria Larrea nach Spanien zurück. Genauer gesagt in jene Stadt, in der sie 1979 geboren wurde und die auch Schauplatz ihres Debütromans ist. 'Les Gens de Bilbao naissent où ils veulent' erschien 2022 in Frankreich ('Die Kinder von Bilbao', 2025) und begeisterte Publikum und Kritik auf Anhieb. Der autobiografische Roman thematisiert tragische Kinderschicksale in der Zeit der Franco-Diktatur sowie unaussprechliche Familiengeheimnisse. Für Larrea ist das Buch eine doppelte Liebeserklärung – zum einen an ihre Eltern, die ihrer Tochter trotz schwieriger Lebensumstände viel Liebe entgegenbrachten, und zum anderen an das Bilbao der Nachkriegszeit, das sich damals, genau wie sie selbst später, eine neue Zukunft erfinden musste. (2): Die Rückeroberung der Bucht von Algier In einem nahezu perfekten Halbkreis bildet die Bucht von Algier ein Amphitheater mit Blick auf das Mittelmeer. Die antike Medina, der Kolonialstil der Strandpromenade und die modernen Stadtviertel fügen sich zu einem architektonischen Mosaik, das die Geschichte des Landes widerspiegelt. Die Bevölkerung der algerischen Metropole hatten lange keinen Zugang zum Meer, obwohl es direkt vor der Haustür lag. Nun will sich Algier bis 2030 als bedeutende Hauptstadt im Mittelmeerraum etablieren. Die Rückeroberung der Bucht steht im Mittelpunkt dieses Modernisierungsprojekts. (3): Albanien: Nexhmijes gefüllte Paprika In Pogradec kocht Nexhmije gefüllte Paprika auf traditionelle albanische Art. Sie füllt vorzugsweise grüne Paprika mit Reis und einer Mischung aus roten Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Petersilie. Die gefüllten Schoten schiebt Nexhmije zum Garen in den Herd und serviert sie schliesslich mit einem passenden Glas Wein als Liebeserklärung an ihren Mann. (4): USA: Der Polka-König Die USA haben so einige Queens and Kings unterschiedlicher Musikgenres hervorgebracht – zum Beispiel Jimmy Hendrix für die Rockmusik, Nina Simone für den Jazz und Jan Lewan für die Polka. Letzterem war ein aussergewöhnliches Schicksal beschieden. Mit dem Akkordeon bewies Lewan, dass ein wahrer König auch im Gefängnis nicht vom Thron stürzt.
King George Island ist das Tor zur Antarktis. An der Südwestspitze der Insel befinden sich in überwältigender Landschaft aus Fels und Eis die Forschungsstationen von fünf Nationen: Chile, Russland, Uruguay, Südkorea und China – verschiedene Kulturen treffen in einem der lebensfeindlichsten Gebiete unserer Erde aufeinander. Im Sommer sind auf King George Island mehr als 500 Menschen stationiert. Um die täglichen Herausforderungen auf dem eisigen Terrain zu meistern, brauchen die Forschenden Entdeckerdrang und eisernen Willen. Eine Gruppe junger deutscher Wissenschaftler um den Polarornithologen Hans-Ulrich Peter erforscht die Veränderungen von Pinguin- und Raubmöwenbeständen. Dabei müssen sie sich vor den tückischen Attacken der Raubmöwen in Acht nehmen. Ein paar Hundert Meter weiter befindet sich eine chilenische Luftwaffenbasis. Der Kommandant Sergio Cubillos und seine Truppe betreiben nicht nur den Flughafen und garantieren so den Kontakt zur Aussenwelt, sie kümmern sich auch um die Villa Las Estrellas, eine chilenische Siedlung auf der Insel. Cubillos' Vorgänger war an den gewaltigen logistischen Aufgaben und der Verantwortung für das Überleben der Menschen fast gescheitert. Die russische Forschungsstation Bellingshausen ist die älteste Station auf King George Island. In der südlichsten russisch-orthodoxen Kirche der Welt lässt Pope Palladiy keine Möglichkeit aus, den Menschen Beistand zu leisten. Im Winter herrscht in der Antarktis am Tag Dunkelheit. Bei Polarstürmen und bis zu 50 Grad Celsius unter null verlassen selbst die Pinguine die Insel.
Als die Regisseurin Jeanne Lefèvre das Haus ihrer Grosseltern ausräumt, stösst sie auf Zeitungsausschnitte, Fotos, 8-mm-Filme und ein Tagebuch. Der Fund dokumentiert eine Reise ihres Grossvaters, des Kernforschers und Ingenieurs Bruno Parlier, nach Adélieland, einen von Frankreich beanspruchten Teil der Antarktis, im Jahr 1959. Lefèvre beschliesst, seinen Weg bis zum Südpol anhand der Archivdokumente nachzuverfolgen. An Bord des Schiffes Astrolabe, das Hobart in Tasmanien mit Adélieland verbindet, durchquert sie das eisige Südpolarmeer, passiert atemberaubende Landschaften aus Packeis und Gletschern und erreicht schliesslich die Dumont-d'Urville-Forschungsstation. Sie will erkunden, was ihr verstorbener Grossvater hier erlebte. Gleichzeitig möchte sie die antarktische Welt der Wissenschaft selbst entdecken und davon erzählen. Im Gespräch mit den Forschenden der Station erfährt sie, dass sich die Herausforderungen hier innerhalb von nur zwei Generationen radikal verändert haben: Während in den 1960er-Jahren die Kernforschung im Mittelpunkt stand, geht es heute um das alarmierende Voranschreiten des Klimawandels. In Adélieland werden essenzielle Daten gesammelt, um die globalen Umbrüche der Zukunft verstehen und vorhersagen zu können. Vor der Kamera und im Aquarellskizzenbuch hält Jeanne ihre Reise aus der Ich-Perspektive fest. So entsteht ein ehrliches, einfühlsames Porträt dieser unwirtlichen und faszinierenden Landschaft. Es ist eine Welt, die sich kaum in Worte fassen lässt, geprägt von den Legenden der ersten Entdecker und Pioniere.
Der Grossvater von Wilhelm Drewes war Ortsvorsteher in Frankenfelde, als 1942 ein 21-jähriger polnischer Zwangsarbeiter gehängt wurde, weil er eine Beziehung mit einem deutschen Mädchen aus dem Dorf hatte. Drewes hat davon erst nach dem Tod des Opas erfahren. Er fühlt sich verpflichtet, dem hingerichteten Polen eine Gedenktafel im Dorf aufzustellen. Bei einer Versammlung möchte er die anderen Frankenfelder für sein Vorhaben gewinnen. Die Tafel soll durch möglichst viele kleine Spenden finanziert werden – als Ausdruck ihrer hohen Akzeptanz im Dorf. Um sein Vorhaben zu verwirklichen, muss Drewes die politischen Gräben in seinem Dorf überwinden. Die vom Brandenburger Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte 'Alternative für Deutschland' ist stärkste Partei im Dorf und dürfte laut Prognosen bei den anstehenden Landtagswahlen nochmals zulegen. Die Politik spalte das Dorf, erzählen Alteingesessene. Zu der Versammlung hat Wilhelm Drewes einen besonderen Gast eingeladen. Nach langer Suche ist es ihm gelungen, die Grossnichte des Polen ausfindig zu machen. Die Familie hat seit mehreren Generationen nach Wladyslaw Stuczynski gesucht, erst durch Wilhelm Drewes hat Katarzyna Swiatkiewicz erfahren, was mit ihrem Grossonkel geschehen ist. Die Reportage begleitet Wilhelm Drewes fünf Monate lang – bis zum Geburtstag des hingerichteten Polen – bei seinem Vorhaben. Wilhelm Drewes hofft, an diesem Tag die Gedenktafel in Frankenfelde einweihen zu können.
(1): Cicchetti – Venezianische Tapas In Venedig trifft man sich abends gerne in einem Bacaro, einer traditionellen Taverne, wo zu einem Glas Wein kleine Appetithäppchen – sogenannte Cicchetti – serviert werden. Küchenchef Matteo Pinto stellt dem Journalisten Antoine Leclaire diese lokale Spezialität vor und nimmt ihn mit auf eine Bacari-Tour. Der Geograf und Ernährungswissenschaftler Pierre Raffard erzählt von der venezianischen Lebensart, der kaufmännischen Tradition und den für die Region typischen Bitterspirituosen. (2): Ein Biss'chen Heimat: Patrick, ein Venezianer in Nancy Patrick stammt aus Venetien und zog im Alter von 17 Jahren in das französische Nancy. Für seine Freunde kocht er Risotto mit Meeresfrüchten – natürlich mit venezianischem Reis. Er spricht über das Kantinenessen in Frankreich und die Meeresfrüchte seiner Heimatregion. Und er erläutert, warum man nirgendwo auf der Welt so viel vom Pastakochen versteht wie in Italien. (3): Ran an die Töpfe! Appetit bekommen? Hier gibt es ein Rezept für Cicchetti, das sich leicht nachkochen lässt. Also: Ran an die Töpfe! ------------------------------- Rezept für Cicchetti Zutaten für 8 Personen: 1 kg Sardinen 4 weisse Zwiebeln 60 cl Weissweinessig 100 g Rosinen 100 g Pinienkerne 3 Eigelb 150 g Mehl Zubereitung: – Die Zwiebeln klein schneiden und bei schwacher Hitze zehn Minuten in einer Pfanne goldbraun braten. – Salzen, mit Essig ablöschen, Rosinen und Pinienkerne hinzugeben. Bei schwacher Hitze zehn Minuten köcheln lassen. – 24 Stunden ruhen lassen. – Die Sardinen erst in Mehl und dann in Eigelb wenden. – Bei starker Hitze auf jeder Seite eine Minute in Öl braten. – Eine Schicht Zwiebelmischung (Saor) auf einen Teller geben und die Sardinen darauf verteilen. – Mit einer weiteren Schicht Saor bestreichen. – Auf Toast oder pur geniessen.
Gianni Versaces Kalabrien / Moldau / Biarritz | Themen: Kalabrien: Gianni Versace im Reich der Frauen / Jüdische Schicksale in Moldau / Argentinien: Ezequiels geröstetes Zicklein / Biarritz: Ein Erfinder zähmt die Sonne
(1): Kalabrien: Gianni Versace im Reich der Frauen Der italienische Modedesigner Gianni Versace polarisierte: Manche kritisierten ihn, weil seine Kreationen den weiblichen Körper übertrieben sexualisierten, andere feierten ihn als Avantgarde-Feministen. Seine Sternstunden hatte Versace Ende der 1980er Jahre. Einen Teil seines Lebens verbrachte der italienische 'King of Bling' in Miami. Doch immer wieder zog es ihn auch in seine kalabrische Heimat, eine schon in der Antike bedeutsame Region, in der Frauen von jeher eine wichtige Rolle spielen. (2): Jüdische Schicksale in Moldau Tragische Ereignisse bringen mitunter grosse Musik hervor. So inspirierte das Pogrom von Chisinau den jüdisch-moldauischen Komponisten Dumitru Miller zu einer Symphonie. Die meisten Juden und Jüdinnen, die einst in der Republik Moldau lebten, starben bei Pogromen und im Holocaust oder flohen vor der Verfolgung aus dem Land. Nur noch ein paar Tausend leben heute hier und pflegen die Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Gemeinschaft. (3): Argentinien: Ezequiels geröstetes Zicklein In Mendoza kocht Ezequiel ein traditionelles Regionalgericht: über dem Feuer geröstetes Zicklein mit Grillgemüse. Als Vorspeise gibt es den in der Pfanne geschwenkten Magen. Gereicht wird das Ganze mit einer pikanten Chimichurri-Sosse aus Oregano, gemahlenen Chilischoten, Paprika, Zitrone und Thymian. (4): Biarritz: Ein Erfinder zähmt die Sonne Im 19. Jahrhundert kam der gesamte europäische Adel zum Sonnenbaden in den französischen Atlantikort Biarritz. Am 2. September 1866 verblüffte eine eigenartige Maschine die mondäne Gesellschaft. Präsentiert wurde sie von Augustin Mouchot, einem einfachen Mathematiklehrer, der sich mit seinem Konstrukt einen Platz an der Sonne sichern wollte.
(1): Tunesien: Salihas Stimme In Tunesien hat es die Sängerin Saliha geschafft, ein ganzes Volk mit ihrer Stimme zu vereinen. Ihre Lieder sind zur gemeinsamen Sprache der Tunesierinnen und Tunesier geworden. Saliha wurde 1914 geboren und hat in weniger als zwanzig Jahren die Musikkultur ihres Landes nachhaltig geprägt. Ihre kraftvolle tiefe Stimme war von den mit Zedern bewachsenen Hügeln im Westen Tunesiens bis zu den schattigen Palästen der Medina von Tunis zu hören. Das Lebenswerk der Künstlerin zeichnet sich durch eine grosse stilistische Vielfalt aus und spiegelt sowohl ihre ländlichen Wurzeln als auch die städtischen Einflüsse aus ihrer Zeit in Tunis wider. (2): Schweiz: Alpennation oder Hexenreich? Unfassbare Grausamkeiten, erfundene Verbrechen, Tausende Verurteilte – und das alles ohne jeden Beweis. Die Schweiz gilt als kleine, friedliche und neutrale Nation. Wie konnte ein solches Land drei Jahrhunderte lang so viele Menschen wegen angeblicher Hexerei verfolgen und verbrennen? In keinem anderen Land Europas sollen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl so viele Menschen wegen Hexerei hingerichtet worden sein wie in der Schweiz. Noch überraschender ist, dass der Hexenwahn in der Alpennation seinen Ursprung hat. (3): Paris: Marjolaines Salat à la Violette Im 18. Arrondissement von Paris verrät Marjolaine das Spezialrezept, das ihr Vater für ihre kleine Schwester Violette kreiert hat. Eine Mischung aus Brokkoli, Äpfeln, Radieschen, Mimolette-Käse und gehackten Nüssen. Capucine, Marjolaines zweite Schwester, kümmert sich um das Dressing: eine süsse Vinaigrette. Die Geheimzutat darf natürlich nicht fehlen: eine extra Portion Liebe. (4): Spanien: Kleider machen keine Bräute In der galizischen Stadt A Coruña erinnert ein Denkmal hinter dem Herkulesturm an María Pita, die Frau, die 1589 die englische Armada aus Nordspanien vertrieb. Wenige Schritte von der Plaza de María Pita entfernt wird in der Kirche San Jorge eine aussergewöhnliche Hochzeit gefeiert.
Louis, ein junger Kommissar, tritt eine neue Stelle in Roubaix an, einem ehemals prosperierenden Industriestädtchen an der Grenze zu Belgien. Gemeinsam mit seinem Vorgesetzten Kommissar Daoud, der in Roubaix aufgewachsen ist und die Stadt wie seine Westentasche kennt, ermittelt er wegen eines Wohnungsbrands, der in einem etwas heruntergekommenen Viertel gelegt wurde. Zwei junge Nachbarinnen und mögliche Zeuginnen, Claude und Marie, widersetzen sich erst einer Aussage bei der Polizei, haben dann aber trotzdem einen Tipp, wer es gewesen sein könnte. Die von ihnen erkannten Tatverdächtigen haben jedoch alle ein Alibi. Ein paar Tage später erreicht die Polizei ein Anruf der beiden Frauen: Sie seien besorgt, im Nachbarhaus sei etwas im Gange. Eine 80-jährige Frau wird tot aufgefunden, vermutlich ist sie nicht eines natürlichen Todes gestorben. Bei der Polizeiarbeit kommt heraus, dass Claude und Marie sich am Abend der Tat im Nachbarhaus aufgehalten haben. Was hatten sie dort zu suchen und – viel wichtiger: Haben sie etwas mit dem Mord zu tun? Ein atmosphärischer Polizeikrimi, der kritisch auf die Verhörmethoden der Polizei blickt. Es entsteht eine gewisse Sympathie für die Tatverdächtigen, aber auch für die Kommissare, Arnaud Desplechins Hauptfiguren. Vor allem Daoud, intensiv gespielt von Roschdy Zem, trägt die typischen Züge des einsamen Ermittlers aus dem Film noir.
Rerun
W
Cast
Roschdy Zem, Léa Seydoux, Sara Forestier, Antoine Reinartz, Chloé Simoneau, Philippe Duquesne, Betty Cartoux
Der Gran Chaco zählt zu den wildesten und ursprünglichsten Regionen Südamerikas – extrem im Klima, faszinierend in seiner Vielfalt. Eine Landschaft der Gegensätze: Dornwälder und flirrende Hitze prägen das Bild. Doch plötzlich öffnet sich ein verborgenes Paradies: Wenn sich die seltenen Salzlagunen mit Wasser füllen, bieten sie unzähligen Vögeln und Wildtieren einen lebenswichtigen Rückzugsort. Eindrucksvolle Naturaufnahmen und seltene Tierbeobachtungen gewähren Einblicke in ein verborgenes Ökosystem – etwa ein frisch geborenes Ameisenbärenjunges, eine seltene Boa in ihrer natürlichen Umgebung oder der nahezu unbekannte Burmeister-Gürtelmull, ein Tier, das Menschen kaum je zu Gesicht bekommen. Begleitet werden auch Wissenschaftlerinnen wie Dr. Rafaela Laino, die sich für den Schutz sensibler Ökosysteme einsetzen. Ihr Ziel: die Rinderzucht und den Erhalt der Biodiversität miteinander zu vereinbaren. Gleichzeitig zeigt die Dokumentation ein aussergewöhnliches kulturelles Miteinander: Indigene Gemeinschaften, paraguayische Viehzüchter und mennonitische Siedler leben seit fast 100 Jahren nebeneinander – drei Lebensweisen, die voneinander profitieren. Einige indigene Gruppen, einst Jäger und Sammler, betreiben heute Rinderzucht – ein Schritt hin zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit. Der Gran Chaco ist eine verborgene Welt – voll rauer Schönheit, seltener Tiere und stiller, aber tiefgreifender Veränderungen.