Fast wären die alten Holzboote an Portugals Westküste für immer verschwunden. Noch bis in die 1970er Jahre dienten die Moliceiros als Transportmittel für Algen, Salz und Reis. In der traditionellen Landwirtschaft wurden Algen damals als natürlicher Dünger eingesetzt. Dann jedoch kam künstlicher Dünger auf den Markt, und Algen und die Moliceiros wurden überflüssig. Viele ortsansässige Portugiesinnen und Portugiesen verloren ihre Jobs und wanderten aus, beispielsweise nach Frankreich, Deutschland, England und Amerika. Aber eine kleine eingeschworene Gruppe von Bootsbauern blieb und kämpfte jahrelang für den Erhalt der Moliceiros. Nicht nur die maritimen Transportgefährte, sondern auch das Schreinerhandwerk für diesen speziellen Bootstyp soll bewahrt werden. Denn ein Moliceiro ist für viele mehr als nur ein traditionelles Transportmittel. Er ist ein wichtiges Symbol der kulturellen Identität der Region Aveiro, mit einer reichen Geschichte, die tief in der lokalen Tradition verwurzelt ist. José Rito ist einer der altgedienten und erfahrensten Moliceiro-Konstrukteure der Region. Er fertigt alles in Handarbeit und benutzt alte Werkzeuge. Zur diesjährigen Regattasaison will er mit einem brandneu gebauten Boot antreten. Es gibt alle Hände voll zu tun. Zum Glück erhält der mit allen Wassern gewaschene Haudegen tatkräftige Unterstützung, um in See zu stechen. In der Hitze des Gefechts aber geht auch José mal über Bord ...
(1): Alexander McCall Smith: Mma Ramotswe auf Safari in Botsuana Das Okavango-Delta im Norden Botsuanas ist ein fantastisches Labyrinth aus Inseln, Kanälen und Seen, das unzählige Tierarten beherbergt und bei dem Naturliebhaber ins Schwärmen geraten. Der in Simbabwe geborene, britische Schriftsteller Alexander McCall Smith liess sich von dem Naturparadies zu seinem Roman 'Schweres Erbe für Mma Ramotswe' inspirieren. Im elften Teil der Detektivreihe schickt er seine Heldin im Okavango-Delta auf die Suche nach einem Safari-Guide. (2): Botsuana: Königliche Safari Das Okavango-Delta im Nordwesten Botsuanas – mit etwa 18.000 Quadratkilometern eines der grössten Binnendeltas der Erde – lässt die Herzen der Naturliebhaber auf der ganzen Welt höherschlagen. Im Kalahari-Becken, wo der Fluss seine Reise beendet, noch bevor er das Meer erreicht, hat eine unglaublich artenreiche Tierwelt ihren Lebensraum gefunden. Nachdem viele Populationen dramatisch dezimiert wurden, haben die Menschen in Botsuana das Schicksal des Habitats wieder selbst in die Hand genommen. (3): Botsuana: Livingstone, der Missionar Inmitten der sengenden Dürre Botsuanas erhebt sich die noch junge Metropole Gaborone seit der Unabhängigkeit 1966 Hauptstadt des Landes. Wenige Kilometer weiter südlich gelang es einem schottischen Forschungsreisenden im 19. Jahrhundert, einen traditionellen Stammeschef zum Missionar zu machen .
(1): Vu Tr?ng Ph?ngs satirischer Blick auf Vietnam Über den historischen Stadtvierteln von Hanoi scheint immer noch der Duft einer anderen Epoche zu schweben – jener Zeit, in der das geschäftige Treiben von Händlern und Handwerkern aus ganz Vietnam die Strassen belebte. In genau diesem Ambiente siedelte der Schriftsteller Vu Tr?ng Ph?ng in den 1930er Jahren seinen Roman 'Dumb Luck' an. Die bitterböse Satire auf die vietnamesische Mittelschicht unter französischer Kolonialherrschaft wurde zu einem Klassiker der vietnamesischen Literatur. (2): Hu?, einstige Hauptstadt Vietnams Die Stadt Hu? liegt in Zentralvietnam am Ufer des Parfümflusses wie ein Bindeglied zwischen Norden und Süden des Landes. Unter der Nguyen-Dynastie war sie über ein Jahrhundert lang die kaiserliche Hauptstadt Vietnams. Die Regenten der Stadt waren Anhänger des Konfuzianismus, der sich in der Architektur des Kaiserpalastes widerspiegelt. Heute halten viele lokale Handwerker das reiche architektonische Erbe lebendig. (3): Vietnam, Kämpfe bei den Königen des Tierreichs Im Zentrum Vietnams schlängelt sich der Parfümfluss zwischen Reisfeldern und Tempeln bis nach Hu?, der alten Kaiserstadt. An den Ufern dieses Wasserlaufs mit legendärem Namen sind einzigartige Spektakel zu entdecken: mörderische Duelle zwischen den Anführern des Dschungels.
Die dritte Folge der Dokureihe 'Köstliches Südtirol' erkundet die Täler um die Dolomiten – das 'schönste Bauwerk der Welt', wie der Architekt Le Corbusier die Gebirgsgruppe im Süden des Alpenhauptkamms nannte. Bei den Geislerspitzen im Villnösstal hält Günther Pernthaler Brillenschafe, die älteste Schafrasse Südtirols. Züchter wie er setzen sich für den Erhalt der Tiere ein, nachdem die Rasse schon fast als ausgestorben galt. Bei aller Tierliebe kocht Pernthaler aber auch gern einen Klassiker der Villnösser Esskultur: Schöpsernes, einen Lammeintopf mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Östlich vom Villnösstal ist der ladinische Dialekt verbreitet. Man setzt auf Tradition als verbindendes Element. Marisa Irsara ist für ihre leckeren Gerichte bekannt. Auf fast 1.700 Metern Höhe führt sie den Hof der Familie. Die uralten ladinischen Rezepte gibt sie an ihre Tochter Julia weiter. Zum Beispiel Cajincí Arestis: frittierte Krapfen, die mit einer herzhaften oder süssen Füllung zubereitet werden. Igor Comploi ist Architekt in St. Ulrich. Wenn er ein Haus entwirft, nimmt die Küche den zentralen Platz ein. Seine Rezepte mischen Kultur und Tradition mit der Moderne und schaffen dabei etwas Neues. So wie beim Seeteufel, der von einem Mantel aus getrockneten Tomaten umhüllt wird. Im südlichen Teil der Südtiroler Dolomiten erhebt sich das Schlernmassiv. In dieser Gegend betreiben viele Bauernhöfe Milchwirtschaft. Veronika Stampfer jedoch züchtet Schweine und kreiert ihren eigenen Bauernspeck. Mit diesem kocht sie das Alltagsgericht der Südtiroler Kochkultur: Knödel.
Wo früher nur Bergziegen zu Hause waren, verläuft heute eine der riskantesten Strassen der Welt: Der Karakorum Highway im Norden Pakistans. Er erreicht Höhen von fast 4.700 Metern. Steinschläge, Erdrutsche und Felsstürze lauern überall. Sost ist der letzte Ort auf pakistanischer Seite vor der Grenze zu China. Die Siedlung ist ein zentraler Handelspunkt zwischen beiden Ländern – hier werden Waren umgeladen und verzollt. Pakistanische Lastwagen mit ihren bunten Bemalungen treten die Fahrt ins Tiefland an. Ali Akbar und Umar Laib bringen ihren Truck für die kommende Tour auf Vordermann. Der Motor muss rund laufen und die Fahrerkabine sauber sein. Der Lastwagen ist ihr zweites Zuhause. Östlich der Passu Cones Berge beginnt die Shimshal-Road, eine der gefährlichsten Strassen der Welt. Der Weg schlängelt sich an den hoch aufragenden Felswänden des Shimshal-Flusses entlang, durch einen gigantischen Canyon. Vor dem Baubeginn im Oktober 2003 war ein Durchkommen mit Autos und Motorrädern nicht möglich. Mansoor Karim ist Taxifahrer. Er fährt die Bewohner seines Dorfes aus den Bergen runter in die Stadt. Es geht durch enge Schluchten, vorbei an steilen Abgründen und über marode Holzbrücken. Die 21-jährige Studentin Tabassum Laseed spielt in der Mountain Girls League von Gilgit-Baltistan Fussball – ein ungewöhnliches Hobby im konservativen Pakistan. Tabassum liebt den Sport, aber auch das traditionelle Leben. Mit ihrem kleinen Bruder muss sie über eine waghalsige Hängebrücke, um das Vieh der Familie zu versorgen.
Der Amazonasregenwald wird oft als grüne Lunge des Planeten und weltweiter Hotspot der Biodiversität bezeichnet. Er ist der grösste tropische Regenwald der Welt und kann das ganze Jahr über Sauerstoff produzieren und Kohlendioxid aufnehmen – anders als die Wälder in den borealen oder gemässigten Klimazonen, die im Winter über mehrere Monate ruhen. Obwohl er diese wesentliche Rolle für das Erdklima spielt, wird er überall gerodet, um Holz zu gewinnen, vor allem aber, um riesigen Viehweiden, Sojafeldern oder Ölpalmenplantagen Platz zu machen. Benki Piyako wurde als Sohn eines indigenen Asháninka und einer weissen Mutter geboren. Kampf und Revolte haben in seiner Familie Tradition, und so ist er vor Ort wie auch in der Politik aktiv, um den Wald zu schützen und sogar wiederaufzuforsten zu können. Entschlossen nutzt er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel, um Umweltschäden anzuprangern und die Natur zu schützen. Unter Einsatz seines Lebens filmte er mit einem Kamerateam illegale Holzeinschläge und Rodungen und veröffentlichte die Bilder im Internet. Seine Enthüllungen zwangen die Regierung einzugreifen und das Gebiet militärisch zu sichern. Daneben arbeitet Benki auch in einem von ihm gegründeten Bildungs- und Kulturzentrum. Es steht Indigenen wie Nicht-Indigenen zur Verfügung, um die zerstörten Waldbestände wieder neu aufzubauen. Bislang hat er zwei Millionen Bäume gepflanzt, weitere zehn Millionen sollen folgen.
Die Taiga, der boreale Nadelwald, ist eines der grössten zusammenhängenden Waldgebiete der Erde und bedeckt etwa 17 Prozent der Landfläche der Erde. In der Mongolei war dieser Lebensraum jahrhundertelang die Grundlage für das Überleben nomadischer Gemeinschaften – geprägt von unberührten Wäldern, klaren Flüssen und einer reichen Artenvielfalt. Doch Wilderei und illegaler Bergbau haben die Bestände seltener Tierarten dezimiert, Flüsse verschmutzt und das ökologische Gleichgewicht gestört. Seit 2012 steht ein Teil dieser Landschaft unter besonderem Schutz: die 'Rote Taiga' im Norden der Mongolei. Als Chef-Ranger des Schutzgebiets setzt sich Tumursukh Jal mit aller Kraft für den Erhalt dieses Ökosystems ein. Jal, selbst einst Jäger und tief verwurzelt in der lokalen Kultur, kennt die Herausforderungen nur zu gut. Sein Team und er patrouillieren regelmässig durch das Gebiet, um illegale Aktivitäten zu unterbinden. Die unerlässlichen Anstrengungen von Tumursukh und seinen Rangern machen sich bezahlt: Die Wildtiere sind zurück, die Taiga lebt wieder. Doch Jal weiss, dass Gesetze allein nicht ausreichen. Um den langfristigen Schutz der 'Roten Taiga' zu sichern, muss er auch die nomadische Bevölkerung überzeugen, ihre traditionellen Jagdpraktiken zu überdenken. Die Klimakrise verschärft die Situation zusätzlich: Steigende Temperaturen bedrohen das fragile Ökosystem. Aktuell steht Jal vor einer neuen Herausforderung: Eine Bärenfamilie hat sich am Rande eines Dorfes niedergelassen. Für die Bewohner ist das eine direkte Bedrohung – und eine Versuchung, zu alten Verhaltensmustern zurückzukehren. Die 'Rote Taiga' steht damit nicht nur für den Kampf um den Erhalt der Natur, sondern auch für die Frage, wie Tradition und Moderne in Einklang gebracht werden können.
Mundiya Kepanga, Häuptling des Huli-Stammes, wurde in den Wäldern Papua-Neuguineas geboren und ist zu einem international angesehenen Kämpfer für die Primärwälder seines Landes geworden. Nach Jahren unermüdlichen Einsatzes gegen die massive Abholzung freut sich Mundiya, dass die neue Regierung sein Land zu einem weltweiten Vorbild für nachhaltige Waldbewirtschaftung machen möchte, und beschliesst, sich auf eine Reise durch Papua-Neuguinea zu begeben, um die verschiedenen Projekte zu besuchen, mit denen die Wälder heute geschützt werden. In seiner eigenen Heimatregion empfängt er zunächst Wissenschaftler, die mit einer umfangreichen Inventur der biologischen Vielfalt in den Wäldern Papua-Neuguineas beauftragt sind. Anschliessend macht sich der Häuptling auf, die vielfältigen Ökosysteme seines Landes zu erkunden: Nach einem Besuch des einzigen sekundären Plantagenwaldes Papua-Neuguineas lernt er einige Lösungen kennen, die im Herzen der Primärwälder entwickelt werden, um diese besser zu schützen, unter anderem den Anbau von Vanille in der Agroforstwirtschaft in geringer Höhe. Er erfährt auch von den verschiedenen Programmen zum Schutz und zur Überwachung der Biodiversität, mit denen der illegale Handel bekämpft werden soll. Am Ende seiner Reise teilt Mundiya Kepanga seine neu gewonnenen Erkenntnisse mit seiner Gemeinschaft, um die Menschen dazu zu bewegen, Alternativen zur Abholzung aktiv umzusetzen und einen Beitrag zu dieser grünen Revolution zu leisten.
Als der Arztsohn John Watson in die englische Hauptstadt London zieht und die Schule wechseln muss, ist er plötzlich der Neue im Internat Brompton. Hier trifft er den jungen Sherlock Holmes, und zwischen den unterschiedlichen Teenagern ist es Freundschaft auf den ersten Blick: John ist schüchtern, ein bisschen pummelig und unscheinbar, Sherlock hingegen ist Jahrgangsbester im Fechten und das unnahbare Genie unter den Schülern, nie um eine Gelegenheit verlegen, sein Können unter Beweis zu stellen. Als sich einige rätselhafte Suizide ereignen, ist sich Sherlock sicher, dass etwas nicht stimmt. Gemeinsam mit John Watson beginnt er zu ermitteln. Sie werden tatkräftig von Sherlocks heimlicher Liebe unterstützt, seiner Mitschülerin Elizabeth. Für Sherlock und John ist dieses erste Abenteuer der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Auch wenn John Watson auf manche Waghalsigkeiten seines abenteuerlustigen Freundes gut und gerne verzichten könnte . Ein spannungsreicher Film, der einen fiktiven Auftakt für die grandiosen 'Sherlock Holmes'-Erzählungen liefert, in denen der Londoner Meisterdetektiv und sein bester Freund und Kollege Dr. Watson gemeinsam auch den mysteriösesten Fall lösen. Die Romane und die zahlreichen filmischen Adaptionen sind nicht zuletzt wegen der Kombination der ungleichen Protagonisten populäre Klassiker geworden, die noch heute die Zuschauer begeistern. Sherlock Holmes' Fälle sind beste Beispiele für die klassische Detektion: Eine Spur führt immer zum Täter.
Ripetizione
W
Cast
Nicholas Rowe, Alan Cox, Sophie Ward, Anthony Higgins, Susan Fleetwood, Freddie Jones, Nigel Stock
Regia
Barry Levinson
Sceneggiatura
Chris Columbus
Scheda
Steven Spielberg koproduzierte 'Das Geheimnis des verborgenen Tempels' 1985 und blieb nicht hinter den Erwartungen zurück: Der Film ist eine unterhaltsame Mischung aus Thriller, Abenteuerfilm und fantastischem Krimi, der seinerzeit für die visuellen Effekte gelobt und für den Oscar nominiert wurde. Im Film tauchen erstmals computeranimierte Figuren auf, zum Beispiel als ein Ritter aus einem Bleiglasfenster plötzlich Gestalt annimmt und in den Raum springt. Bruce Broughton erhielt 1986 einen Saturn Award für die beste Filmmusik. Der Schwerpunkt 'Hochspannung auf ARTE' wird im Internet auf ARTE Cinema begleitet unter: cinema.arte.tv.
Critica
Solide inszenierte, rasante Abenteuerunterhaltung nach gängigen Mustern. Grusel- und Spezialeffekte und eine dünne Kriminalhandlung bilden den Hintergrund für eine fiktive, aber durchaus überzeugende Nachzeichnung der Jugendjahre von Sherlock Holmes, die vor allem durch die augenzwinkernden Verweise auf den späteren (literarischen) Meisterdetektiv an Sympathien gewinnt (Lex. des Internat. Films).
Pompeji, 79 nach Christus: Als der Vesuv ausbricht, wird die antike Handelsstadt unter Asche und Bimsstein begraben. Bis heute, fast 2.000 Jahre nach der Katastrophe, gelingen Archäologen sensationelle Funde, die Einblicke geben in die Schrecken der letzten Stunden und den Alltag der Bewohner Pompejis. Nach der Erforschung florierender Gewerbebetriebe – einer Bäckerei und einer Wäscherei – richtet sich der Fokus der Grabungen auf ein prächtiges Anwesen in unmittelbarer Nähe. Abseits der einst belebten Strassen legen die Forscher eine luxuriöse Villa frei, die vermutlich einem einflussreichen Lokalpolitiker gehörte. Die Funde erlauben Einblicke in das verschwenderische Leben der pompejanischen Elite, das in scharfem Kontrast zu den Lebensbedingungen der versklavten Arbeiter in der nahe gelegenen Bäckerei steht. Zu den spektakulären Entdeckungen zählen aussergewöhnliche Fresken in einem Bankettsaal sowie beeindruckende Mosaikfussböden – Relikte, die ebenso wie die gut erhaltene Feinkeramik die prunkvollen Gelage der Hausherren lebendig werden lassen. Die bewegendsten Entdeckungen gelingen in einem kleinen Nebenraum: der Leichnam einer Frau, die in einem Beutel kostbare Perlenohrringe und Goldmünzen bei sich trug. Als die Grabung fortschreitet, stösst das Team auf ein zweites Opfer: einen Mann, der unter einem eingestürzten Mauerstück begraben wurde. Wer waren diese Menschen? Warum blieben sie zurück, während so viele andere flohen?
(1) Ukraine: Tschernobyl im Krieg Die Explosion des Reaktors Nummer 4 löste 1986 in Tschernobyl den schwersten zivilen Atomunfall der Geschichte aus. Am 14. Februar 2025 hielt die Welt erneut den Atem an: Um 02.02 Uhr morgens explodierte eine russische Drohne mit einem Sprengkopf in 87 Meter Höhe auf der Stahlbetonhülle des stillgelegten Reaktors, sie beschädigte den Sarkophag, ein Feuer brach aus. Für die Löscharbeiten musste die Feuerwehr die Hülle durchbohren und seitdem ist der Reaktor nicht mehr perfekt abgedichtet. Die Behörden meldeten, es würden keine grösseren radioaktiven Spitzenwerte verzeichnet. Die Ingenieure, die das alte Atomkraftwerk bewachen, wissen aber, dass wiederholte Angriffe den Sarkophag zerstören könnten, denn er soll nur dem Wetter standhalten können, für Angriffe im Krieg ist er nicht ausgelegt. 'Wenn die Drohne nur fünfzehn Meter weiter links eingeschlagen wäre, hätte das nicht nur für die Ukraine, sondern für ganz Europa katastrophale Folgen haben können', sagt ein Beamter. (2) Chile: Dürre wegen Datacenter Die Server der Datacenter in Chile, die weltweit auch die künstliche Intelligenz verwalten, brauchen dringend Kühlung. Google, Amazon und Microsoft pumpen deshalb jeden Tag Millionen Liter Wasser ab – in einem Land, das schon seit über einem Jahrzehnt von der Dürre auch durch den Klimawandel heimgesucht wird. Und das ist erst der Anfang: Die chilenische Regierung hat 2025 einen nationalen Plan für Datacenter verabschiedet, der ihre Verdreifachung im ganzen Land vorsieht. Von derzeit 33 Datacentern wird Chile in wenigen Jahren auf 100 anwachsen und damit zum dichtesten digitalen Knotenpunkt in Lateinamerika werden. Die negativen Auswirkungen des digitalen Wandels spürt die lokale Bevölkerung, etwa die Menschen, die von den Ressourcen des Quilicura-Sumpfes bei der Hauptstadt Santiago leben, denn der trocknet aus. Neue Technologien sollen Arbeitsplätze und Wohlstand für arme Regionen versprechen – jedoch oft auf Kosten der lokalen Bevölkerung und des ökologischen Gleichgewichts.
Soja zählt zu den begehrtesten Exportgütern und ist für die globale Wirtschaft von hoher strategischer Bedeutung. Der Grossteil der Produktion wird als Tierfutter verwendet, doch die als 'grüner Treibstoff des Jahrhunderts' gefeierte Wunderbohne wird auch zur Herstellung von Biodiesel eingesetzt. Der Handel mit Soja verändert die Handelsrouten weltweit und verbindet Häfen in den USA mit chinesischen Terminals. Die Hauptlieferanten sind Brasilien, die Vereinigten Staaten von Amerika und Argentinien. Diese drei Länder beherrschen einen grossen Teil der globalen Nahrungsmittelproduktion im 21. Jahrhundert. Dafür bezahlen sie jedoch mit massiven Umweltschäden und landschaftlicher Gleichschaltung durch Monokultur. Mit zwei Dritteln des Handelsvolumens ist China der mit Abstand grösste Abnehmer – eine Abhängigkeit, die die Sojabohne zum geostrategischen Gut macht.
Die Besitzer der 'Patienten' in Neapels Puppenklinik kommen aus allen Teilen des Landes und aus allen Schichten. Das Ospedale delle Bambole ist mehr als eine Touristenattraktion, es ist ein Stück neapolitanischer Kulturgeschichte. 'Chefärztin' Tiziana Grassi entstammt einer Dynastie von Puppendoktoren. Ihr Urgrossvater eröffnete das Ospedale delle Bambole, die Puppenklinik – vor mehr als 100 Jahren. Damals noch in einem kleinen Eckladen, bis unter die Decke vollgestopft mit Puppen und Figuren. Heute ist das kuriose Unikat in den einstigen Pferdeställen des 500 Jahre alten Palazzo Marigliano zu Hause, direkt um die Ecke der berühmten Krippenstrasse. Tiziana Grassi ist auf Meister ihres Faches angewiesen, die es nur noch in diesem Stadtteil gibt – wie den Kunsthandwerker Armando Molli oder den Kurzwarenhändler Gennaro Rosolio, der bereits seit mehr als 70 Jahren in seinem Laden steht, und alte und seltene Knöpfe anbietet. Im traditionsreichen Geschäft für Künstlerbedarf der Familie Ramaglia deckt sich Tiziana Grassi mit hochwertigem Blattgold ein. Aber die Zeiten ändern sich. Heute gibt es im Viertel vor allem Massenware. Das traditionelle Handwerk stirbt auch in Süditalien.
Die klimatischen Verhältnisse setzen den Cannabisbauern im Norden Marokkos zu – alle haben mit dem Wassermangel zu kämpfen, er verschärft die ohnehin grosse Konkurrenz unter den Bauern. In Azila, einem Dorf, das ausschliesslich vom Drogengeschäft lebt, dürfen die Bauern Cannabis zwar anbauen, aber nicht damit handeln. Im Rif-Gebirge leben schätzungsweise 300.000 Familien vom Cannabisanbau, die meisten davon in Armut – die besten Anbau-Lagen gehören einigen Grossbauern, die das Geschäft zunehmend kontrollieren. Jeder ist des anderen Feind, wer illegal handelt, läuft Gefahr, im Gefängnis zu landen. Viele hier sind für die Legalisierung, um der allgegenwärtigen Angst zu entkommen. Doch das Legalisierungsprogramm der Regierung steckt in Schwierigkeiten, denn weniger Bauern als erhofft schiessen sich ihm an. Cannabis verlor seinen zweifelhaften Ruf durch die therapeutische Wirkung bei zahlreichen Krankheiten. Die Hanf-Pflanze enthält mehr als hundert Cannabinoide, das Bekannteste ist THC. Es verändert Wahrnehmung, Konzentration und Zeitgefühl, kann aber auch psychische Probleme auslösen. CBD dagegen wirkt beruhigend, entspannend und entzündungshemmend und hat keine berauschende Wirkung. Für die legale pharmazeutische Produktion gelten verbindliche Regeln und hohe Standards, es gibt strenge Kontrollen, was viele Farmer abschreckt. Vor allem das Misstrauen gegenüber dem Staat sitzt tief: Willkür und Korruption sind an der Tagesordnung. Für Bestechung empfängliche Polizisten verdienen gut mit am illegalen Geschäft und unterlaufen nicht selten die Legalisierung. In diesem Spannungsfeld erleben wir die Auseinandersetzungen pro und contra Legalisierung sogar innerhalb von Familien.
Warum entstehen geniale Ideen an manchen Orten – und welches geistige Klima brauchen sie, damit sie wachsen und neues Wissen entsteht? Der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch folgt den Spuren der klügsten Denkerinnen und Denker, die unser Verständnis von der Welt bis heute prägen. Ein Roadmovie bis zu den Ursprüngen der Wissenschaft: von Wüsten und antiken Ruinen über Bibliotheken und Klöster bis zu den Universitäten Europas. Alles beginnt unter dem Sternenhimmel Mesopotamiens: bei Sumerern und Babyloniern, die mit jahrhundertelangen Himmelsbeobachtungen Kalender und Zeitrechnung entwickelten – die Basis aller Wissenschaft. In der griechischen Hafenstadt Milet wagen Denker erstmals, Natur ohne Mythen, allein mit dem Verstand zu erklären. Alexandria wird mit seiner berühmten Bibliothek und seinem Museion zum grössten Wissenszentrum der Antike – ein Ort, an dem Forschung gezielt politisch gefördert wird, weil Wissen als Macht- und Prestigefaktor gilt. Mit dem Zerfall der antiken Welt droht dieses Wissen zu verschwinden. Doch arabische Gelehrte übersetzen, bewahren und erweitern es: in Astronomie, Physik oder Medizin. Von Bagdad über Fès bis Kairo entsteht ein goldenes Zeitalter der Wissenschaft. Über das maurische Andalusien gelangt dieses Wissen schliesslich zurück nach Europa. Muslime, Christen und Juden arbeiten hier gemeinsam an Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische. Über Venedig, London und Cambridge verfolgt Harald Lesch den Weg des Wissens weiter bis zu den Anfängen der modernen Naturwissenschaft. Am Ende des Films steht die Erkenntnis: Die besten Ideen gedeihen dort, wo Denken frei bleibt und Wissen geteilt wird.
Zahlen sind heute allgegenwärtig. Man könnte meinen, es habe sie schon immer gegeben. Doch die Menschheit kam lange Zeit ohne sie aus. Einige traditionelle Gesellschaften zählen noch immer mit den Fingern oder kleinen Gegenständen. Die Samen im hohen Norden begnügten sich vor der europäischen Kolonisation damit, die Zahl der Rentiere in ihren Herden zu schätzen. Wozu sollte man Buch führen über jedes Tier, das geboren oder gestorben war, wenn es auch anders ging? Die ersten Formen der Buchführung entstanden erst, als die Menschen sesshaft wurden. Als Nomaden zählten sie die Tage oder Zyklen ihrer Wanderungen wahrscheinlich mit einfachen Strichen oder anderen Markierungen. Erst als Vorräte gelagert und gesichert werden mussten, wurden genauere Zählsysteme notwendig. In mesopotamischen Ausgrabungsstätten wie dem Stadtstaat Mardaman im Westen der Autonomen Region Kurdistan im Irak wurden zahlreiche Tontafeln gefunden, die von einer frühen Buchhaltung zeugen: Diese ältesten Schriftdokumente der Menschheit zeigen Zahlen, die lange vor den ersten Buchstaben niedergeschrieben wurden. Die Entwicklung schriftlicher Buchhaltungssysteme ermöglichte schon bald die Entstehung riesiger Reiche. Vom Nahen und Mittleren Osten bis nach China und Mittelamerika umgaben sich die grossen Herrscher der Antike mit Schreibern und Buchhaltern, die Aufgaben wie Heeresaufstellungen, Landvermessung und Steuererhebung übernahmen. Zunächst wurden an verschiedenen Orten unterschiedliche Zahlensysteme verwendet, doch schliesslich setzte sich nur eines durch: das so genannte Stellenwertsystem, das bis heute in Gebrauch ist. Es entstand in Indien und diente zunächst vor allem Astronomen und Wahrsagern. Nur zehn Zeichen – darunter die berühmte 0 – reichen aus, um alle Zahlen abzubilden. Eine geniale Erfindung, die einen weltweiten Siegeszug antrat.
Im Westen spricht man von 'arabischen Ziffern', aber in der arabischen Welt gilt die heutige europäische Schreibweise als westlich. Was also ist 'arabisch' an den Zeichen, die einst aus Indien nach Europa kamen und sich in weiten Teilen der Welt durchsetzten? Die Spur der Zahlen führt nach Bagdad. Dort sorgte im 8. Jahrhundert ein Gelehrter namens al-Chwarizmi – von seinem latinisierten Namen 'Algorismi' leitet sich 'Algorithmus' ab – für die Verbreitung der indischen Zahlenschrift und wurde zum Vater der modernen Algebra. Die heute in Europa gebräuchlichen 'arabischen' Ziffern gehen auf eine andere Schriftvariante zurück, die 'Ghubar' – arabisch für 'Staub' – genannt wird. Sie entstand an den sogenannten 'Staubtischen' maghrebinischer Kaufleute im Mittelmeerraum. In dieser Form, aus dem Westen der muslimischen Welt stammend, gelangte sie schliesslich auf christlichen Boden. Allerdings hatte es die arabische Zahlschrift im europäischen Mittelalter zunächst schwer, sich gegen die römischen Ziffern durchzusetzen. Letztere waren ein Erbe des Römischen Reiches und wurden von Königen und Päpsten als Namenszusatz verwendet, um ihr Prestige zu unterstreichen. Leonardo Fibonacci machte zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit seinem Rechenbuch 'Liber Abaci' die Zahlen aus dem südlichen Mittelmeerraum in Europa populär. Ihm ist es zu verdanken, dass die Kaufleute das schriftliche Rechnen erlernten und die römischen Abakusse – Rechenbretter, auf denen kleine Steine, die 'Calculi', verschoben wurden – mit der Zeit ausser Gebrauch kamen. Über das muslimische Andalusien gelangten die Ghubar-Zahlen schliesslich ins übrige Europa und von dort über die Ozeane in die Neue Welt.
Schriftliche Rechenverfahren führten in der Renaissance zu tiefgreifenden Veränderungen im Bankenwesen und im Handel. In der Schule werden heute noch die gleichen Rechenarten gelehrt wie im ausgehenden Mittelalter, doch im modernen Alltag werden sie kaum noch angewendet. Der Grund: Moderne Maschinen können alle erdenklichen Rechenaufgaben in Sekundenschnelle fehlerfrei lösen. Nicht umsonst bedeutet das englische Wort 'Computer' schlicht 'Rechner'. Der leistungsstärkste Rechner der Welt ist der Frontier-Supercomputer in den USA. Die Erfindung des Computers markiert den Beginn eines neuen Zeitalters: Die digitale Revolution übersetzt die Welt von heute in atemberaubender Geschwindigkeit in Zahlen. Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass diese Supercomputer am Ende einer jahrhundertelangen Reihe vergeblicher Versuche stehen. Seit der französische Philosoph Blaise Pascal im 17. Jahrhundert die erste mechanische Rechenmaschine entwickelte, haben Erfinder daran gearbeitet, der Menschheit verlässliche und universelle Bezugspunkte zum Verständnis der Welt an die Hand zu geben. Sie machten die Zahlen zu den besten Verbündeten der Wissenschaft und ermöglichten den Aufstieg des Zahlensystems zur universellen Sprache der Menschheit. Im ausgehenden 20. Jahrhundert sorgte die Computertastatur für eine weltweite Standardisierung der Zahlennotation. Seither zählt die ganze Welt von New York bis Peking mit den gleichen Symbolen. Die faszinierende Geschichte der zehn kleinen Ziffern ist untrennbar mit der Geschichte der Menschheit verbunden, die sie erfunden, verbreitet, übernommen, durchgesetzt und hinterfragt hat. Werden die Zahlen auch die Zukunft der Menschheit bestimmen?
Die Triaden, die Mitte des 17. Jahrhunderts nach dem Aufstieg der Mandschu-Dynastie entstanden, schufen sich einen Mythos als Kämpfer gegen die Feinde Chinas. Opportunistisch und gewissenlos schlugen sie sich jedoch mal auf diese, mal auf jene Seite und stellten sich sowohl in den Dienst der chinesischen Nationalisten als auch der französischen und britischen Kolonialherren. Nach der Machtübernahme Maos 1949 mussten die Triaden das chinesische Festland verlassen und liessen sich im angrenzenden Hongkong sowie in Macau und Taiwan nieder, wo ihre dunklen Geschäfte florierten. In Taiwan wurden sie zum bewaffneten Arm der nationalistischen Machthaber, bevor sie zu deren Sturz beitrugen. In Hongkong nutzten die Triaden die Notsituation der Flüchtlinge aus, die vor Elend und Unterdrückung aus China geflohen waren, um neue Mitglieder zu rekrutieren. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Hongkongs in den darauffolgenden Jahrzehnten boten sich ihnen immer mehr Möglichkeiten: Sie manipulierten Immobilienmärkte, kauften Unternehmen auf und schmuggelten Waren im grossen Stil. Eine Vorgehensweise, die schon bald nicht mehr auf Hongkong beschränkt war, denn die Triaden weiteten ihren Einfluss allmählich nach Nordamerika und Europa aus. Mit dem Anwachsen der chinesischen Diaspora entfalteten sie ihre kriminellen Machenschaften auch in den dortigen Chinatowns.
Die karibische Hauptstrasse im Nordosten Kolumbiens führt entlang der Küste vorbei an Regenwäldern, am Fuss des höchsten Küstengebirges der Welt und weiter in die trockenen Regionen der Guajira. Wind, Sand und Meer setzen der Strasse zu. Jedes Jahr im Februar herrscht Ausnahmezustand an der wichtigen Verkehrsader, denn es ist Karneval. Dann gehören die Strassen den Clowns, Musik- und Tanzgruppen. Die afrikanischen Rhythmen, indigenen Instrumente und europäischen Einflüsse vermischen sich zu einem bunten, lauten Fest, das die einzigartige Vergangenheit der Gegend spürbar macht. Die bezaubernde Gegend ist auch die Heimat von vier indigenen Völkern. Die Strasse ist ihnen ein Dorn im Auge, denn sie bedroht die Natur. Immer wieder demonstrieren die Arhuacos aus dem Küstengebirge gegen den weiteren Ausbau und andere Infrastrukturprojekte. Die Strasse und die nahegelegene Kohlemine sind jetzt schon ein massiver Eingriff in die Natur. Das spürt auch Raphael: Wegen anhaltendem Wassermangel liefert er mit einem jahrzehntealten LKW das Trinkwasser über holprige Strassen an die Bevölkerung aus. Trotzdem hat die Gegend noch eine grosse Biodiversität und sogar Jaguare bewohnen das Gebirge. Ihr Lebensraum wurde durch den Bau der Strasse allerdings stark eingeschränkt. Catalina und die Gemeinschaft der Kogi arbeiten daran Wildbrücken und Tunnels zu bauen, um die Jaguare wieder ans Meer zu locken. Im äussersten Nordosten Kolumbiens liegt die Guajira-Wüste, umgeben vom Meer der Karibik. Das Gebiet ist Dokaris Heimat und Arbeitsumfeld. Mit dem LKW ihrer Schwestern transportiert sie Salz in die entlegensten Ecken. Der Weg über unmarkierte, holprige Sandpisten ist ein echtes Abenteuer und auch der alte LKW macht nicht immer, was er soll.
Zwischen Mai und September herrscht Regenzeit in Guinea – und Strassen und Pisten sind nur schwer zu bereisen. Die Menschen vor Ort haben aber keine Wahl: Sie ziehen auch in dieser Zeit von Markt zu Markt. Die einen, um ihre Waren zu verkaufen, die anderen, um Obst, Gemüse und das, was sie für den Alltag brauchen, zu besorgen. Da es so gut wie keine zuverlässigen öffentlichen Verkehrsmittel in Guinea gibt, sind die Menschen auf Taxis angewiesen. Die Gäste sitzen eng an eng, und auf dem Dach stapeln sich Kanister, Säcke, Körbe und die, die keinen Platz mehr im Inneren gefunden haben. Eine der zentralen Routen im Westen Guineas führt von Kindia nach Sambailo im Norden, an die Grenze zum Senegal. Es geht auf schlammigen Pisten und über Flüsse zu mehreren Wochenmärkten bis zum Badiar Nationalpark mit einer reichen Flora und Fauna. Er bildet die grüne Grenze zum Nachbarland Senegal, wo sich der Park fortsetzt. Mit ihrem Motorrad-Taxi fährt Sintiya Konaté Kundinnen und Kunden in und ausserhalb von Kindia. Sintiya ist die einzige Frau in diesem Job. Seit fünf Jahren behauptet sie sich gegen die männliche Konkurrenz. Wenn sie am Abend nach Hause kommt, dann tut ihr der ganze Körper weh. Moustapha Saw ist 28 und fährt seit acht Jahren Taxi. Er kennt die Gefahren auf Guineas Wegen. Seine Passagiere muss er nicht nur sicher ans Ziel bringen, sondern auch zeitig, was eine Herausforderung für ihn ist.
(1): Das Lebendige ist bedroht – doch es gibt auch eine gute Nachricht: Wir können es noch retten Vor 445 Millionen Jahren löste eine ausgeprägte Eiszeit das erste Massensterben aus. Seither folgten vier weitere. Laut der Evolutionsbiologin Tatiana Giraud steuern wir zwar nicht auf ein sechstes Massensterben zu, doch die Biodiversität ist bedroht: Zahlreiche Arten verschwinden mit 'unglaublicher Geschwindigkeit'. In ihrem Buch 'La biodiversité en infographies. L'urgence du vivant : comprendre pour agir' (Biodiversität in Infografiken. Die Dringlichkeit des Lebendigen: Verstehen, um zu handeln, Verlag Tana) plädiert sie dafür, die Biodiversität als ein System dynamischer Wechselwirkungen zu begreifen. Was eine Art betrifft, hat Auswirkungen auf viele andere. (2): Krieg im Nahen Osten: Sind die Golfmonarchien zum Abwarten gezwungen? Seit Beginn des Krieges im Iran sind die Golfmonarchien fast täglich Ziel iranischer Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur. Teheran droht, noch weiter zu gehen und Kraftwerke in Kuwait oder Meerwasserentsalzungsanlagen in Katar ins Visier zu nehmen. Die Islamische Republik rechtfertigt dies damit, dass diese Staaten US-Militärstützpunkte beherbergen. Zugleich versucht sie, durch Angriffe auf die wirtschaftlichen Ressourcen der Golfmonarchien Druck auf deren amerikanischen Verbündeten auszuüben. Bislang reagieren die Ölmonarchien zurückhaltend. Nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen in Riad warnte der saudische Aussenminister jedoch vergangene Woche, die Geduld seines Landes sei 'nicht unbegrenzt'. Ausserdem: Xavier Mauduit blickt auf das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien. Marie Bonnisseau berichtet über einen 'Amorbaum' in Deutschland, der seit dem 19. Jahrhundert für rund hundert Eheschliessungen verantwortlich sein soll.
'Geschichte schreiben' ist ein von Historikern und Historikerinnen moderiertes Geschichtsmagazin. Im Mittelpunkt der von dem französischen Mittelalter- und Renaissancespezialisten Patrick Boucheron präsentierten Sendung steht die Frage: Was hat uns Geschichte heute zu sagen? Jede Woche stellt ein Gast einen Gegenstand und seine Geschichte vor. Dabei kann alles geschichtsträchtig sein: in Serie gefertigte Objekte, Einzelstücke, Kultgegenstände, Werkstoffe oder Schriftdokumente. Die verwendeten Archivaufnahmen werden in kreative grafische Animationen eingebettet und pädagogisch aufbereitet. In einer regelmässigen Kolumne schlägt die französische YouTuberin Manon Bril die Brücke zwischen Geschichte und Digitalzeitalter.
Hohe Inflationsraten waren ab 2022 plötzlich wieder Alltag in Europa und den USA. Wie und wann ist die Inflation entstanden, die fast alle Dinge des Alltags der Menschen so verteuert hat? Und wann wird eine Inflation systembedrohend? Experten wie Adam Tooze von der Columbia University in New York, Katrin Assenmacher von der Europäischen Zentralbank und Eric Monnet von der Paris School of Economics führen uns in die vielschichtigen Zusammenhänge des Themas Inflation ein. Im Mittelpunkt der Dokumentation stehen Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus in Deutschland, Frankreich, den USA und dem Hochinflationsland Türkei. Wie trifft sie die Inflation und wie gehen sie damit um? Die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben unter anderem Industriearbeiter in der Automobilindustrie bei der Vorbereitung ihrer Lohnverhandlungen und begleiten Müllsammler in den Strassen von Izmir, die sich von ihren Erlösen immer weniger Lebensmittel kaufen können. Ausserdem erzählen Rinderzüchter in Kansas von ihren durch die Inflation ausgelösten Finanzierungsnöten. In Paris warnte Priscillia Ludosky, eine Mitgründerin der Gelbwesten, warnte bereits Jahre zuvor vor den Auswirkungen steigender Preise auf sozial Schwache. Und die ehemalige Leiterin der UN-Welternährungsprogramms Ertharin Cousin erwartet angesichts der Inflation mehr Hungernde. Doch neben vielen Verlierern gibt es auch Gewinner der Inflation. Wer sind sie? Wie profitieren sie von der Situation? Die Dokumentation beschäftigt sich auch mit der unterschiedlichen Erinnerung an frühere Zeiten von Inflation in Frankreich, Deutschland und den USA, blickt in die Zukunft und fragt: Wird Inflation in den kommenden Jahren zum Dauerzustand? Welche Folgen hätte das?
Cast
Stefan Hunstein, Thomas Loibl, Nina Pietschmann, Oliver Scheffel
Die Niederlande und das Wasser – ein Land und eine Naturgewalt, die untrennbar miteinander verwoben sind. In ihrer faszinierenden Landschaft sind Deiche, Kanäle, Teiche, Becken, Seen und Flüsse allgegenwärtig. Ganze 16 Prozent ihrer Oberfläche bestehen aus Süsswasser, ein Drittel des Landes liegt unter dem Meeresspiegel. Wasser und Wolkenlandschaften sind Teil der niederländischen Identität. Tatsächlich fühlen sich die Menschen seit Urzeiten zum Wasser hingezogen. Aber die ursprünglichen Systeme mit ihren breiten Flussdeltas wurden begradigt, kontrolliert und wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Die Süsswasserbiotope interessierten dabei kaum jemanden. Noch vor 30 Jahren hätte niemand dort drehen können, denn in den verschmutzten Gewässern gab es kein Leben mehr. Aber die Zeiten dieser umfangreichen Umweltverschmutzung sind vorbei und die Nachhaltigkeitspolitik macht sich bezahlt: Zahlreiche Lebewesen haben sich ihren einstigen Lebensraum zurückerobert und tummeln sich im frischen, sauberen Nass. Wie das Wasser selbst ist auch sein Ökosystem in ständiger Bewegung. In dem von Wetter und Wolken begünstigten Kreislauf spielt das Quellwasser, das sich in Ströme und Flüsse ergiesst, eine ebenso wichtige Rolle wie das scheinbar stagnierende Becken. Jedes Gewässer hat seine Geschichte und seine Protagonisten – nur der Aal ist überall zu Hause. Die Dokumentation entführt in die verborgene, faszinierende und atemberaubend schöne Welt unter der Wasseroberfläche.
Wirbelstürme, Erdbeben, Vulkanausbrüche: Wie reagieren eigentlich Tiere und Pflanzen auf solche Naturkatastrophen? Einige Tiere können kurz bevorstehende Naturkatastrophen erahnen und sich davor schützen. Andere sind gezwungen zu bleiben und müssen gegen die Unberechenbarkeit der Natur um ihr Überleben kämpfen. Seit einiger Zeit wird im Rahmen der Wissenschaft untersucht, wie Flora und Fauna auf die Launen des Planeten Erde reagieren. Die Ergebnisse deuten auf bemerkenswerte Überlebensstrategien hin. Dennoch bleibt ungewiss, ob Tiere und Pflanzen auch in der Lage sein werden, sich den neuen, menschengemachten Herausforderungen zu stellen. Der Zug der Vögel von Kanada nach Brasilien ist von starken Wetterereignissen beeinflusst. Während der Sturmsaison wird die Reise durch kräftige Winde und atmosphärische Niederschläge gestört. Die Insel Puerto Rico beheimatet Ameisen, die Überschwemmungen überstehen, indem sie kompakte Flösse bilden und sich mit der Strömung davontreiben lassen. Die australische Flora und Fauna hat sich an die alljährlichen Buschfeuer angepasst: Gewisse Vögel profitieren von den Bränden, da sie dank ihnen Beute einfacher aufstöbern. Nichtsdestotrotz haben die Tierarten angesichts des gegenwärtigen Klimawandels, der seit der Industrialisierung vorangetrieben wird, nur wenig Zeit zur Anpassung. Der Anstieg des mittleren Meeresspiegels, die Häufung zerstörerischer Wirbelstürme und gigantische Waldbrände übersteigen alles, was bisher beobachtet wurde und beunruhigen Forschende verschiedenster Disziplinen.
Ripetizione
W
Cast
Patrick Albenque, Tujar Alpirez, Juliette Aver, Michèle Bilhaut, Michelle Hipel, Robert Hueter, Mark Lamble
Seit mehr als 400 Millionen Jahren schwimmen Haie schon durch unsere Ozeane. Ihr Körper ist perfekt stromlinienförmig, ihre Zähne wachsen nach, sie sind eine Erfolgsgeschichte der Evolution. Aber in den letzten 50 Jahren hat sich die Population der Haie dramatisch verkleinert. Studien gehen davon aus, dass die Zahl aller Hochseehaie und Rochen seitdem um gut 70 Prozent gesunken ist. Twan Stoffers, Fischökologe von der Uni Wageningen, hat an einer globalen Zählung von Riffhaien in der Karibik mitgewirkt und sagt: 'An 20 Prozent der Riffe haben wir gar keine Haie mehr gesehen.' Der Hauptgrund dafür: der Fischfang. In den letzten 70 Jahren hat sich die Menge weltweit gefangener Fische mehr als vervierfacht – von 20 auf über 90 Millionen Tonnen pro Jahr. Haie werden einerseits gezielt gefangen, andererseits werden sie gerade in der Langleinenfischerei als Beifang aus dem Wasser geholt. Allein Spanien fängt jedes Jahr 78.000 Tonnen Hai. Haifleisch wird auf der ganzen Welt gegessen. Dazu kommen die Auswirkungen der globalen Klimakrise und Umweltzerstörung. Matthias Glaubrecht, Evolutionsbiologe von der Uni Hamburg, meint, was den Haien zustösst, ist ein sichtbares Zeichen für eine weltweite Katastrophe: Wir stehen am Beginn des sechsten grossen Massenaussterbens der Arten. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) geht davon aus, dass während so eines Ereignisses die Tierarten hundert- bis tausendfach schneller aussterben, als sie es durch natürliche Prozesse tun würden. Ist der Hai dem Untergang geweiht oder können wir ihn noch retten?
Die zweiteilige Dokumentation widmet sich einem kaum erforschten Phänomen: der Zerstörung von Kunstwerken. Doch was treibt die Kunstzerstörer an? Für die Ermittler bis heute rätselhaft ist eine Attacke auf der Berliner Museumsinsel im Oktober 2020, bei der die Täter rund 70 Objekte beschädigten. Wie konnte das an einem der renommiertesten Museumsstandorte Europas gelingen, ohne aufzufallen? Welche Botschaft wollten die Täter senden? Für Restauratoren stellen vor allem Säureanschläge eine grosse Herausforderung dar – wie im Fall des Serientäters Hans-Joachim Bohlmann. Ein anderer spektakulärer Fall ereignete sich 1982 in der Berliner Nationalgalerie, als ein Student ein Bild von Barnett Newman angriff, weil es ihm Angst einjagte. Welche Kraft kann Kunst entwickeln? Und wie soll sie in Zukunft in den Museen präsentiert werden? Auch diese Fragen stellt die Dokumentation – dabei kommen unter anderem Ermittlungsbehörden, Restauratoren, Psychiater und auch Täter zu Wort und versuchen das Phänomen Kunstzerstörung zu erklären.
Scheitern die Männer am Ideal der Männlichkeit? Neue Fälle von sexualisierter Gewalt und Deepfakes in Deutschland und Frankreich erschüttern die Öffentlichkeit. Die Manosphere auf Social Media schürt frauenfeindliche Fantasien. Denken Männer selbst über ihre aktuelle Rolle nach? Was wollen sie verändern? In seinem Buch 'Alpha Boys' wirft Comedian und Podcaster Aurel Mertz einen satirischen Blick auf die neue Hypermaskulinität. Für seine Recherchen reiste er bis nach Asien in ein Männer-Camp. Warum tun sich Männer so schwer, sich sensibel und verletzlich zu zeigen? Künstler Norbert Bisky zeigt genau dies in seinen grossformatigen Porträts, oft von Männern. Der deutsche Maler ist ein genauer Beobachter. Sind die jungen Männer abgehängt? Frauen holen in Bildung und Erwerbsarbeit auf. Typische Männerjobs sind rar geworden, besonders in der Arbeiterklasse. Prekäre Verhältnisse kennt auch Schriftsteller Michael Pedersen in Schottland. Er weiss um den Kampf der Working-Class-Boys, die sich nicht mehr an der Männlichkeit der Väter orientieren können ('Der letzte Leuchtturm', Dumont Verlag). Studien zeigen, dass Männer der GenZ traditionelle Rollenmodelle bevorzugen. Wie bewahren wir Jungs davor, wütende und frauenverletzende Männer zu werden? Das beschäftigt Autor Fikri Anil Altintas. In Workshops sucht er mit Schülern und Männern Vorbilder jenseits der Manosphere. In seinem Roman 'Im Morgen wächst ein Birnbaum' (btb Verlag) verbindet er das Thema mit der eigenen Biografie. 'Twist' trifft Künstler, die sich bereits länger mit diesen Fragen beschäftigen.
Für Zehntausende Menschen ist der Volcán de Fuego in Guatemala eine ständige Bedrohung: Seit knapp 500 Jahren ist der über 3.700 Meter hohe Gigant ununterbrochen aktiv. Jeden Monat kommt es zu heftigen Eruptionen mit Kilometer hohen Aschewolken und schlimmen Folgen für die lokale Bevölkerung. So kamen bei dem Ausbruch im Juni 2018 113 Menschen ums Leben, 329 wurden als vermisst gemeldet. Insgesamt waren 1,7 Millionen Einwohner von der herniedergehenden Aschewolke betroffen. Von dem bedrohlichen Felsriesen gehen noch weitere Gefahren aus: Die Eruptionen hinterlassen vulkanische Ablagerungen an den Flanken des Fuego, die die tropischen Regengüsse wegspülen. Dabei können sich mächtige Schlamm- und Schuttströme bilden, die ganze Siedlungen mitreissen. Mit dem Vulkanologen Gustavo Chigna wagt sich Arnaud in die Gefahrenzone, um das Volumen des Materials zu messen und die Bedrohung einschätzen zu können. Wenn der Fuego sich meldet, sind einige sehr abgeschiedene Gemeinden allerdings ganz auf sich allein gestellt, wie etwa La Trinidad – nur fünf Kilometer vom Krater entfernt. Das Dorf muss selbst in der Lage sein, die Risiken abzuschätzen und entsprechende Massnahmen einzuleiten, da die Rettungskräfte zu spät eintreffen würden. Deswegen finden regelmässig Evakuierungsübungen statt. Aschewolken, Schlammströme, Erdbeben – der Fuego ist unberechenbar und deshalb umso gefährlicher. Die unermüdliche Aktivität des Feuervulkans stellt die Menschen vor harte Bewährungsproben, die bereits viele das Leben gekostet haben. Deshalb sind die Übungen der Bevölkerung so wichtig, damit sie in einem von Vulkanen dominierten Land bestehen können.
Als Teil des riesigen tropischen Regenwaldes im Kongobecken zählen die noch weitgehend intakten Wälder Gabuns zu den schönsten und artenreichsten tropischen Regenwäldern der Welt. Mambongo, anerkannter Stammeshäuptling und traditioneller Heiler, pflegt eine besonders enge Verbindung zu den Bäumen, Pflanzen und Tieren des Waldes. Er führt in eine faszinierende Welt mit einzigartiger Biodiversität, deren Gleichgewicht bereits aus den Fugen geraten ist. Es fällt Mambongo zunehmend schwer, die natürlichen Zutaten für den Trank der heiligen Bwiti-Zeremonie zu finden, mit der er die spirituelle Verbindung zwischen Mensch und Wald stärken will. Der Schamane sieht sich zusehends in der Rolle eines Hüters des Waldes. Fest entschlossen, sich für den Erhalt der Artenvielfalt einzusetzen, will er seine Gemeinschaft dazu bringen, den Wald verantwortungsvoller zu bewirtschaften. Auf einer Reise durch Gabun verschafft er sich einen Überblick über die Tragweite der Bedrohung und trifft sich mit lokalen Akteuren. So erweitert er sein Wissen und schlägt – wie stets in seiner Rolle als Schamane – die Brücke zwischen Mensch und Natur.
Mit einer Fläche von 270 Millionen Hektar ist der boreale Wald Kanadas einer der wichtigsten globalen Klimaregulatoren. Eine Umweltschützerin, die diese wichtige Funktion bewahren möchte, ist die AktivistinTwyla Edgi-Masuzumi. Ihr ganzes Engagement gilt dem borealen Wald. Gemeinsam mit den Ältesten ihrer Gemeinschaft kämpft die Mutter von vier Kindern im Rahmen des nationalen Guardians-Netzwerks Tag für Tag gegen die Bedrohungen, denen ihr Wald zunehmend ausgesetzt ist. In langen Wanderungen durch den Wald sammeln Twyla und die anderen Guardians wissenschaftliche Beweise für die katastrophalen Umweltauswirkungen von Ressourcenabbau und Klimawandel. Twyla stemmt sich gegen eine gesellschaftliche und ökologische Tragödie, unter der ihr Volk und ihre Heimat zu leiden haben. Sie weiss, dass in der Verbindung zwischen Mensch und Natur ein Schlüssel zum Überleben der gesamten Menschheit liegt. Nachdem die indigenen Gemeinschaften mehr als einhundert Jahre darum gerungen haben, die Kontrolle über dieses riesige Gebiet wiederzuerlangen, werden sie von der kanadischen Regierung nun endlich als wichtige Hilfe für die Erhaltung dieser Naturräume gesehen. In der festen Überzeugung, dass echter Naturschutz nur dann möglich ist, wenn er mit einer tiefen Kenntnis des Waldes und der darin lebenden Wesen einhergeht, eignen sich junge Vorreiter dieses elementare Wissen selbst an.
Noch immer faszinieren uns die strahlend weissen Marmorskulpturen des antiken Griechenlands. Doch was, wenn dieses Bild trügt? Die Wissenschaft enthüllt: Die Zeit und Menschen haben die prächtigen Farbpigmente ausgelöscht, die Tempel und Statuen einst schmückten. War das 'weisse Griechenland' nur eine Illusion? Dank moderner Archäologie, innovativer Technologien und experimenteller Rekonstruktionen machen Forschende und Kunstschaffende eine andere Geschichte sichtbar: die der Farben, der Polychromie. Feinste Analysen auf Ausgrabungsstätten und in Laboren bringen verborgene Pigmente ans Licht. So rekonstruieren sie die ursprüngliche Farbigkeit antiker Kunstwerke – von den Tempeln der Akropolis bis zu den Palästen von Knossos. Der Filmemacher Olivier Lemaître begibt sich auf eine europäische Spurensuche: Welche Pigmente wurden verwendet? Welche Techniken beherrschten die Menschen damals? Wie wirkten die farbenfrohen Monumente auf die Bevölkerung der Antike? Mit atemberaubenden Rekonstruktionen und digitalen Visualisierungen erweckt der Film die bunte Antike zum Leben – und zeigt, wie real die Statuen durch Hauttöne, Stoffe und Schmuck wirkten. Die Dokumentation vereint Wissenschaft und Kunst, um die Antike in neuem Licht zu zeigen: Ein faszinierender Blick auf das farbenreiche Erbe des alten Griechenlands – und die Frage, warum wir diese Geschichte fast vergessen hätten.
Grégoire Lecomte schlägt sich als drittklassiger Schauspieler durch und tritt vor allem in Werbespots für Hundefutter auf. Nach langer Durststrecke scheint sich sein Traum vom Durchbruch zu erfüllen: Er wird zu einem Casting für die Rolle eines Killers in einem grossen Gangsterfilm eingeladen. Nervös und hoffnungsvoll macht er sich auf den Weg – doch wie so oft in seinem Leben geht alles schief. Durch eine harmlose, aber folgenreiche Türverwechslung landet er nicht im Büro der Filmproduktion, sondern im Hotelzimmer eines mächtigen Mafioso, der just in diesem Moment einen gefürchteten Profikiller erwartet. Da der echte Killer sein Äusseres mittels plastischer Operationen ständig verändert, weiss der Gangsterboss nicht, wie sein Auftragsmörder aktuell aussieht. Grégoires unbeholfene Art und sein unscheinbares Erscheinungsbild deutet er als raffinierte Tarnung. Überzeugt, einen besonders verschlagenen Profi vor sich zu haben, weiht er ihn in einen heiklen Plan ein: In einem Luxushotel in Saint-Tropez soll ein milliardenschwerer deutscher Waffenhändler ausgeschaltet werden. Als Tatwerkzeug dient ein scheinbar harmloser 'bulgarischer Regenschirm' mit vergifteter Spitze. Grégoire hält all dies für die aufwendig vorbereitete Inszenierung eines Filmsets und das tödliche Utensil für ein ausgefallenes Requisit. Mit einem grosszügigen Vorschuss reist er an die Côte d'Azur, während der echte Killer seinen Fehler bemerkt und die Jagd eröffnet.
Ripetizione
W
Cast
Pierre Richard, Valérie Mairesse, Christine Murillo, Gordon Mitchell, Gérard Jugnot, Dominique Lavanant, Gert Fröbe
Dreieinhalb Millionen Urlauber besuchen jedes Jahr Sardinien, Italiens zweitgrösste Insel mit einem Viertel der gesamten Küstenlinie des Landes. Von dieser abwechslungsreichen Küste – 1.800 Kilometer eindrucksvoller Klippen und malerischer Strände – fühlen sie sich angezogen. Wenige hingegen kennen das schroffe Bergland Sardiniens, die mit Macchie bewachsenen Hügel, die nur einheimischen Hirten vertraut sind, und die lieblichen Täler dieser Insel. Zusammen bilden die durch einen schmalen Schelf verbundenen Schwesterinseln Korsika und Sardinien einen kleinen Kontinent: ein Bruchstück des Mutterkontinents Europa, von dem sie sich lösten, als dessen Alpenküste und das westliche Mittelmeer entstanden. Sardinien: ein Stück der Alpen mitten im Mittelmeer. Die Dokumentation nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer auf eine zweifache Reise mit: einmal quer durch das Landesinnere, das dem Strandurlauber zumeist verborgen bleibt, und dann die Reise der Insel selbst, die nicht immer eine Insel war und die wie eine Arche aus Stein seit Jahrmillionen von Europas Südrand in Richtung Afrikas Nordrand driftet. Dank extremen Schwankungen des Meeresspiegels war die heutige Insel mehrmals mit dem Festland verbunden, so dass Mannschaft und Passagiere – Sardiniens Fauna – oft wechselte, Arten kamen und verschwanden. Eine dieser Arten ist freilich auch der Mensch. Seit der Steinzeit haben immer neue Wellen von Eroberern Sardinien erreicht, etliche in Begleitung sowohl von Haus- als auch von Wildtieren, die heute die Fauna der Insel dominieren und die ursprüngliche Flora und Landschaft grundlegend verändert haben. Trotzdem: In den unzugänglichen Bergen Sardiniens hat sich manches erhalten, was rund um das Mediterran, diesen seit Jahrtausenden kulturell geprägten Naturraum, längst verloren ist.
Im Juni 1940 befindet sich Max Ernst in einer bedrohlichen Situation: Während die deutschen Truppen immer weiter in Richtung Südfrankreich vorrücken, ist er mit anderen deutschen und österreichischen Staatsbürgern als vermeintlich 'feindlicher Ausländer' in einem Internierungslager bei Aix-en-Provence inhaftiert. Für den Hitler-Gegner Max Ernst, dessen Werke von den Nazis als 'entartete Kunst' diffamiert werden, wäre es sehr gefährlich, in ihre Hände zu fallen. Von diesem Moment aus erzählt die Dokumentation rückblickend die faszinierende Geschichte des epochalen Künstlers: Freigeist, Frauenliebling, Antifaschist. 25 Jahre zuvor, im Ersten Weltkrieg, hatte Max Ernst selbst als Soldat in den Kampf ziehen müssen. Die traumatisierende Fronterfahrung, der 'grosse Wahnsinn', wird zu einem Schlüsselerlebnis in seiner Biografie. Von diesem Zeitpunkt an ist Ernst immer auch ein politischer Künstler – einer, der die alte Gesellschaftsordnung zerstören will. Zusammen mit den Pariser Surrealisten um André Breton zettelt Max Ernst eine kulturelle Revolution an, deren Erschütterungen über die Kunstwelt hinausgehen. Mit seinem 1937 entstandenen Werk 'Der Hausengel' – dem 'Trampeltier, das alles, was ihm in den Weg kommt, zerstört und vernichtet' – schuf Max Ernst eine Allegorie auf die Diktatoren seiner Zeit, die heute aktueller denn je wirkt. Mit reichhaltigem Archivmaterial, Elementen der Graphic Novel und hochrangigen Interviewpartnern erzählt die Dokumentation die aufregende Geschichte Ernsts in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.
Der Franzose Alexandre Kantorow gastiert normalerweise auf internationalen Bühnen. 2019 gewann er einen der renommiertesten Klavierwettbewerbe der Welt, den Tschakowski-Wettbewerb in Moskau. 2024 eröffnete er im strömenden Regen die Olympischen Sommerspiele von Paris mit Maurice Ravels Jeux d'eau. Regisseur Denis Sneguirev stattet dem Pianisten einen ganz privaten Besuch ab. Alexandre Kantorow lädt ein in die Wohnung seiner Eltern, wo er mit seinem Vater, dem Violinisten und Dirigenten Jean-Jacques Kantorow, Johann Sebastian Bach, Peter Tschaikowsky und Richard Wagner diskutiert und interpretiert. Der zweite Teil der Reise führt in die Schweiz, an den Vierwaldstättersee. Es ist Kantorows langjähriger Wunsch gewesen, die Villa Senar zu besuchen, in der Sergej Rachmaninow eine neue Heimat fand. Hier komponierte Rachmaninow 1934 seine Rhapsodie über ein Thema von Paganini. Fast hundert Jahre später interpretiert Alexandre Kantorow das Werk auf dem Instrument, auf dem es entstand. Zu Gast in der Villa Senar ist auch Lya Petrova, die stolz ihre neue Geige präsentiert, eine Stradivari aus dem Jahre 1727. Alexandre Kantorow und Lya Petrova interpretieren César Francks Sonate für Klavier und Geige. Rachmaninows Steinway und Liya Petrovas Stradivari, zwei Instrumente aus zwei Epochen, gespielt von zwei jungen Musikern des 21. Jahrhunderts, laden ein zu einer kulturellen Zeitreise über 300 Jahre Musikgeschichte hinweg. Mit Gesprächen am Ufer des Vierwaldstättersees und mit Igor Strawinskys Feuervogel endet der Ausflug durch die musikalischen Epochen.
Sonntags führt ARTE in die Welt der deutsch-französischen Eigenarten, wagt in kurzen Rubriken einen humorvollen, zuweilen auch kritischen Blick auf Besonderheiten deutscher und französischer Alltagskultur und entschlüsselt sie auf ungewohnte Weise: Ein Wort, ein Gegenstand, die Einrichtung eines Büros, ein Kleidungsstück ... vieles erscheint plötzlich in einem anderen Licht, wenn man es mit fremden Augen sieht. Mehr Infos unter: arte.tv/karambolage